Neu an der UDE: Hildegard Anna Scherer

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Duisburg/Essen. Religion hat viel mit Gehen und Führen zu tun. „Und mit Geschichte“, sagt Hildegard Scherer. Die neue Professorin für Katholische Theologie und ihre Didaktik hat an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen (UDE) den Lehrstuhl fürs Neue Testament angenommen. Sie liest das Neue Testament mit historisch-kritischem Blick und wählt dafür teils soziologische, sozialpsychologische und sprachwissenschaftliche Wege.

„Die Menschen hinter den Texten interessieren mich besonders: Wie haben sie sich verstanden, wie versuchten sie ihr Zusammenleben zu ordnen? Wie haben sich die Gruppen der Gläubigen den Herausforderungen von innen und außen gestellt“, fragt Scherer und fährt fort: „Das oft assoziierte Bild vom ‚Hirten‘, dem eine ‚Herde‘ brav hinterherläuft, halte ich für fragwürdig. Vielleicht dachten die biblischen Autoren und Autorinnen dabei an Personen, die sich mit vollem Risiko vor andere stellten und zuerst die Schwächsten zu schützen hatten.“

Ansätze für ihre Forschung sieht Scherer auch in der recht kleinen Auswahl der biblischen Bücher. Christen beschäftigen sich weltweit bis heute damit. Wie wurden diese Texte im Lauf der Zeit interpretiert, wie in Literatur oder Musik umgesetzt? Und wo haben Menschen für sie Sinnvolles im Leben erfahren, welche Themen ausgeblendet oder weitergedacht? Hier könne die Bibelwissenschaft mit anderen Geistes- und Kulturwissenschaften wunderbar in einen Dialog treten, so die 46-Jährige.

Wie wichtig es für Scherer persönlich ist, sich stetig fortzubewegen, zeigt ihr Lebenslauf. Nach einem freiwilligen sozialen Jahr in einem Alten- und Pflegeheim (1994-95) studierte sie von 1995 bis 1998 Englisch und Katholische Theologie fürs Lehramt und ab 1996 fürs Theologie-Diplom an der Universität Würzburg. Dann ging sie für ein theologisches Studienjahr an die Jerusalemer Dormition Abbey. Zurück in Deutschland führte sie ihr Studium an der Universität Münster (1999-2001) fort und schloss es 2002 an der Universität Würzburg ab. Nach einer fünfjährigen Ausbildung zur Pastoralreferentin war sie von 2007 bis 2010 zweieinhalb Jahre geistliche Leiterin der Christlichen Arbeiterjugend im Diözesanverband Würzburg. Von 2010 bis 2012 forschte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Münster, wo sie 2010 promoviert wurde, und von 2012 bis 2015 an der Universität Bonn. Bevor sie an die UDE kam, vertrat sie seit 2015 einen Lehrstuhl an der Theologischen Hochschule Chur und war dort seit 2019 Professorin für Neutestamentliche Wissenschaften.

Foto: UDE/Engel-Albustin