Lions Club stiftet Gedenktafel für Else Rouge

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Hösel. Vom Herbst 1944 bis zum Kriegsende 1945 versteckte die Höselerin Else Rouge unter Gefahr für Leib und Leben das jüdische Ehepaar Hedwig und Arthur Berg in ihrer Wohnung an der Badenstraße 5. Jetzt stiftete der Lions Club Ratingen eine Gedenktafel für die mutige Frau, die von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt wird.

Vor einiger Zeit hatte Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, im Linons Club einen Vortrag über in Ratingen Verfolgte des Naziregimes gehalten. Bei einem Besuch in Yad Vashem stieß . Fleermann auch auf den Namen der Höselerin Else Rouge. Seine Recherchen offenbarten das Schicksal des jüdischen Ehepaares Berg aus Essen, das untertauchen und sich in wechselnden Verstecken verbergen musste, um dem Abtransport in ein Vernichtungslager zu entgehen. Zuletzt war es Else Rouge, die sie bei sich aufnahm und versteckte. Damit rettete sie das Leben des jüdischen Paares.

Weil offensichtlich in Hösel niemand von dieser Tat oder auch der späteren Ehrung durch Yad Vashem wusste, empfahl Fleermann dem Lions Club, sich damit zu befassen und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Damit kam die Idee einer Gedenktafel auf.

Der Club beauftragte sein Mitglied Hans Kraft mit weiteren Recherchen und der Verwirklichung der Idee. Kraft kennt die Örtlichkeiten und Zeitzeugen, weil er ganz in der Nähe seine Kindheit verbrachte und auch heute noch in Hösel wohnt.

Erst etwa 30 Jahre nach Kriegsende schrieb Hedwig Berg die Geschichte ihrer Verstecke und Unterschlupfe auf. Otto Rouge, Elses Ehemann, stellte daraufhin erfolgreich einen Antrag auf Ehrung seiner Frau durch Yad Vashem. Diese Ehrung wurde 1980 in Bad Godesberg durch den israelischen Botschafter vorgenommen.

Auf Einladung des Club-Präsidenten Georg Jennen, der die Gedenktafel enthüllte, sprach zunächst der Bürgermeister Ewald Vielhaus zum Wirken von Else Rouge und deren mutiger Tat in der Nazizeit. Bastian Fleermann stellte den Hergang der Geschehnisse und das Ergebnis seiner Recherchen dar.

Für den Ratinger jüdischen Verein Schalom dankte der Vorsitzende Vadym Fridman für das Engagement des Lions Clubs Ratingen und drängte dazu, vor dem Rathaus eine Stele oder Tafel zu errichten, auf der die Namen möglichst vieler Ratinger sein sollten, die sich ähnlich mutig verhalten haben.

Co-Direktor Jonathan Walther von der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf unterstrich mit Worten des Dankes die  mutige Tat von Else Rouge und die schöne Ehrung mit Gedenktafel durch den Lions Club.

Der in Gleiwitz geborene Sebastian Wladarz zog als Vorsitzender der in Hösel ansässigen Stiftung Haus Oberschlesien aktuelle Verbindungslinien zwischen damaligen und heutigen Geschehnissen.

Stark vertreten war das  Kopernikus-Gymnasium Lintorf mit einer Schülergruppe unter Leitung von Christoph Dymek. Am Rande der Zusammenkunft führten sie bereits erste Interviews. Das Thema soll im Unterricht vertiefend behandelt werden und im Laufe des Jahres mit einer Dokumentation abschließen. Daran, so Kraft als ehemaliger Lehrer am Kopernikus, sei der Lions Club sehr interessiert.

Als Höseler Zeitzeuge war Helmut Roemer gekommen, der Neffe von Else Rouge. Zusammen mit seiner Frau war er begeistert und erstaunt zugleich über das Engagement des Lions Clubs und das große Interesse der jungen Schüler. Von dem Versteck hatten die Eheleute Roemer bis vor wenigen Jahren nichts gewusst.

Ewald Vielhaus (von links), Bastian Fleermann, Hans Kraft, und Georg Jennen (Foto: privat)