Düsseldorf. Was bedeutet es, einer inneren Berufung zu folgen? Und was kann Florence Nightingale uns heute über Pflege, Verantwortung und Menschlichkeit sagen? Mit dem Musiktheater „Berufung | Vocation“ und einer Parcours-Inszenierung:an historischen Orten widmet die Kaiserswerther Diakonie der Pionierin der modernen Pflege am 19. und 20. September ein außergewöhnliches Kulturwochenende. Historische Texte treffen auf Musik, Schauspiel und persönliche Erfahrungen von Menschen aus der Pflege.
Anlässlich des 175-jährigen Jubiläums des Aufenthalts von Florence Nightingale in Kaiserswerth verbindet die Inszenierung historische Dokumente mit Fragen, die bis heute aktuell sind: Was bewegt Menschen dazu, Verantwortung für andere zu übernehmen? Was bedeutet Berufung in einer Zeit, in der Pflege vor großen Herausforderungen steht? Und welche Kraft kann aus der Entscheidung entstehen, einer inneren Überzeugung zu folgen?
Unter der künstlerischen Leitung der Regisseurin Friederike Felbeck ist mit „Berufung | Vocation“ eine Produktion entstanden, die Florence Nightingale nicht als historische Ikone inszeniert, sondern ihre Gedanken mit der Gegenwart in Dialog bringt. Nightingales Schriften treffen auf persönliche Erfahrungen heutiger Pflegekräfte und Mitglieder der Kaiserswerther Schwesternschaft. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder die menschliche Stimme.
Ein musikalischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Am Samstag, 19. September, um 19 Uhr wird die Mutterhauskirche zum Schauplatz des Musiktheaters. Die Schauspielerin und evangelische Pfarrerin Nicola Thomas verkörpert Florence Nightingale und verleiht ihren literarischen und überraschend zeitgenössisch wirkenden Texten eine Stimme. Musikalisch gestaltet wird der Abend von der Konzertpianistin Ani Ter-Martirosyan und dem Rheinstimmen Ensemble mit Julia Hagenmüller, Eva Marti, Felix Leander Läpple und Joel Urch.
Für Nicola Thomas ist die intensive Beschäftigung mit Florence Nightingale zugleich eine persönliche Entdeckung: „Je länger ich mich mit ihr beschäftige, desto klarer wird mir ihre enorme Energie und Tatkraft. Sie war eine Wanderin zwischen den Welten, eine unermüdliche Sucherin nach neuen Wegen. Dabei blieb sie innerlich unabhängig: ein Freigeist mit unglaublich viel Gefühl und Herz.“
Auch der Begriff der Berufung erhält für die Schauspielerin eine existentielle Dimension. In Anlehnung an Florence Nightingale beschreibt Thomas Berufung als „Brot, ohne das man nicht leben kann“. Wer sich wirklich berufen fühle, müsse dem folgen, was ihn im Innersten antreibe. „Berufung ist eine existentielle Angelegenheit“, sagt Thomas.
Gerade darin sieht sie eine Verbindung zur Gegenwart. Als evangelische Pfarrerin ist Thomas selbst täglich in diakonische Arbeit eingebunden und erlebt die Herausforderungen in den Pflegeberufen unmittelbar. Nightingale habe dem Pflegeberuf zu ihrer Zeit eine neue gesellschaftliche Bedeutung gegeben. „Auf einmal bekommt dieser Beruf Glanz und Ausstrahlung“, beschreibt Thomas Nightingales Wirkung.
Am Sonntag wird der historische Campus zur Bühne
Am Sonntag, 20. September, um 15 Uhr verlässt „Berufung | Vocation“ den klassischen Theaterraum. Bei der Parcours-Inszenierung „Vom Diakonissenfriedhof zum Pflegemuseum“ wird der historische Campus der Kaiserswerther Diakonie selbst zur Bühne.
Der Weg beginnt am Diakonissenfriedhof und führt über den Schwesterngarten und die Feierabendhäuser bis zum Pflegemuseum. die Bereits die Projektplanung sieht vor, die verschiedenen historischen Orte und neu entstandene wie das K3, die Fliedner Fachhochschule, aber auch das Friederike-Fliedner-Hospiz miteinander zu verbinden und Pflegegeschichte so räumlich erfahrbar zu machen.
Mitglieder der Kaiserswerther Schwesternschaft wirken an dem Projekt mit und bringen ihre eigenen Erfahrungen ein. So begegnen sich die Geschichte Florence Nightingales, die Tradition der Kaiserswerther Diakonissen und heutige Perspektiven auf Pflege und Berufung. Aus historischen Orten und persönlichen Erinnerungen entsteht ein lebendiger Parcours, der die Besucherinnen und Besucher dazu einlädt, Pflegegeschichte nicht nur zu betrachten, sondern ihr zu begegnen.

