Ratingen. Die Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford hatten die Gelegenheit, das neue nun weitgehend fertiggestellte Bocholter Kulturquartier mit der Museumsfabrik „Textilwerk Bocholt“ zu besichtigen. Die kompetente, mitreißende und exklusive Führung übernahm Martin Schmidt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und stellvertretender Museumsleiter, der einigen Ratingern noch von seiner Tätigkeit im Museum Cromford bekannt sein dürfte.
Zunächst besichtigten die Teilnehmer das Herzstück der Museumsfabrik, die Weberei, mit ihrer Sammlung von mehr als 30 historischen Webstühlen. Die Anordnung der voll funktionsfähigen Maschinen erfolgt in chronologischer Reihenfolge, so dass man die Entwicklung der Webstuhltechnik über einen Zeitraum von etwa 100 Jahren verfolgen kann.
Schmidt erklärte verständlich an den verschiedenen Webstühlen, wie mit verschiedenen Konstruktionen unterschiedliche Webergebnisse erreicht werden, und wie durch technische Entwicklungen das oberste noch heute aktuelle Ziel – Steigerung der Produktionsleistung -erreicht wurde. Beeindruckend ist auch die tägliche Schauproduktion mit diesen Webstühlen, die von erfahrenen Webern bedient werden. Die Lärmbelastung und die räumliche Enge an den Maschinen waren und sind eine große Herausforderung für die Arbeitenden. Die an die heutigen Anforderungen angepassten Produkte werden in einem Shop zum Verkauf angeboten.
Nach einer Pause in dem gemütlichen in das Hauptgebäude der Weberei integrierte Restaurant, das „Schiffchen“, ging es über die neue Aar-Brücke zu der Spinnerei. In dem imposanten Backsteinbau, einst Spinnerei Herding, mit seinen vier Geschossen werden Geschichte und Gegenwart der Textilien lebendig.
Kurz gestreift wurde der im Erdgeschoss befindliche „Parcours de la Mode“. In einem als Vitrine aufgebauten 23 Meter langen Laufsteg werden Modetrends der letzten 100 Jahre präsentiert.
Beeindruckend war auch die neu entwickelte Sonderausstellung „200 Jahre IBENA-Textile Leidenschaft“. Das familiengeführte Unternehmen IBENA gehört zu den ältesten, bis heute bestehenden Unternehmen in NRW. Die Ausstellung vermittelt mit Textilien, Werkzeugen, Fotografien und Werbematerialien aus verschiedenen Zeiten und aktuellen Interviews mit Beschäftigen einen Einblick in die Welt der Textilproduktion von früher bis heute.
Die Darstellung des wechselseitigen Einflusses von Geschichte und Technik auf die Innovationen des Traditionsunternehmens ist gelungen. In diesem Zusammenhang stellte Schmidt auch die Weiterentwicklung der im Ratinger Museum laufende erste mechanischen Spinnereimaschine der „Waterframe“ vor.
Den Abschluss der exklusiv auf die Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford abgestimmten beeindruckenden Exkursion bildete ein Besuch der Arbeiterwohnhäuser. In Verbindung mit den Erläuterungen und der gelungenen Ausgestaltung der Räumlichkeiten erweckten diese den Eindruck, als ob die Menschen gerade erst das Haus verlassen hätten.
Nach dieser gelungenen Veranstaltung warten die Mitglieder der Freunde und Förderer des Industriemuseums Cromford e.V. mit Spannung auf die nächste Exkursion.

