Krach in der Bruderschaft – 1957!

Werbung

Lintorf. Im Sommer 1957 brodelte es in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lintorf 1464. Die Tell-Kompanie Lintorf war über Äußerungen des Bruderschaftsvorsitzenden Emil Harte während einer Sitzung des Hauptvorstandes der Bruderschaft nicht erfreut. Auf einer folgenden Versammlung der Tell-Kompanie ging es deswegen hoch her.

Was war geschehen? Die Bruderschaft bestand 1957 aus drei Kompanien: der Stammkompanie, der Hubertus-Kompanie und der Tell-Kompanie. Zur Stammkompanie gehörten auch das 1952 gegründete Tambourcorps und das Reitercorps von 1956. Das Jäger-Korps wurde erst im September 1957 gegründet, die anderen Corps noch später. Der Vorsitzende der Stammkompanie war in Personalunion auch Vorsitzender der Bruderschaft.

Emil Harte, Chef der Bruderschaft seit der Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahre 1948, sprach in jener denkwürdigen Sitzung des Hauptvorstandes mehrmals von der Stammkompanie, meinte aber eigentlich die Bruderschaft. Der Vertreter der Tell-Kompanie im Hauptvorstand monierte das wohl noch während der Sitzung.

Auf alle Fälle berichtete er davon in der folgenden Mitgliederversammlung der Tell-Kompanie. In einem Brief an den Bruderschaftsvorstand stellte die Tell-Kompanie dann klar, dass sie zwar ein Teil der Lintorfer Bruderschaft sei, aber anders als das Tambourcorps und das Reitercorps keinesfalls ein Teil der Stammkompanie. Der Bruderschaftsvorsitzende wurde in dem Brief aufgefordert, künftig deutlich zwischen seiner Funktion als Chef der Stammkompanie und der Bruderschaft zu unterscheiden.

1963 wurde dann mit Hans Lumer erstmals ein Vorsitzender der Bruderschaft von allen Mitgliedern der Bruderschaft gewählt. Die Corps der Stammkompanie wurden in die Selbstständigkeit entlassen, die Stammkompanie benannte sich selbst in Stammkorps um. Vorsitzender des Stammkorps wurde Wilhelm Frohnhoff.

Übrigens wurde ebenfalls vereinbart, dass der stellvertretende Vorsitzende der Bruderschaft abwechselnd von der Tell-Kompanie und der Hubertus-Kompanie gestellt werden sollte. Wahrscheinlich, weil der amtierende Bruderschaftschef, Hans Lumer, zwar nicht mehr der Vorsitzende des Stammkorps war, aber doch Mitglied dieser Formation. Er blieb es über 30 Jahre, bis 1994.