Lintorf. Trotz tropischen Temperaturen zog es am vergangenen Freitag und Samstag zahlreiche Eltern, Großeltern, Lehrer. Ehemalige und Freunde in die gut klimatisierte Aula des Lintorfer Kopernikus Gymnasiums. Denn dort spielten Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe acht bis zehn auf der großen Bühne den Klassiker „Tartuffe“, eine Komödie in Versform, geschrieben vom französischen Dichter Molière.
Das Stück wurde vor rund 360 Jahren in einer ersten Version unter dem Titel Der Tartuffe oder Der Heuchler (Le Tartuffe ou L’Hypocrite) im Beisein des Sonnenkönigs Ludwig XIV. im Schloss Versailles uraufgeführt. Es löste auf Grund seiner drastischen und für die damalige Zeit revolutionären Kritik an religiösem Heuchlertum einen Theaterskandal aus, der zum Verbot des Stücks führte. Auch eine zweite Version wurde nicht geduldet. Erst eine erneute Überarbeitung erhielt damals schließlich die Unterstützung des Königs und hat sich bis heute gehalten. Zum Glück, denn sonst hätte die Theatertruppe unter Leitung von Lehrer Christoph Jensen nicht mit zwei knapp zweistündigen Vorstellungen dem Publikum die Geschichte wie des scheinheiligen Frömmlers Tartuffe zeigen können, der die religiöse Gutgläubigkeit des wohlhabenden Familienvaters Orgon ausnutzt und sich in die Familie einschleicht, um an das Vermögen und die Hand der Tochter zu gelangen. Durch dieses Verhalten entzweit fast die Familie. Doch egal wie erdrückend die Argumente und Beweise sind, Orgon will glauben, was er glauben will, nämlich dass sein Gast ein Held ist. Dafür wirft er sogar seinen Sohn aus dem Haus und möchte, dass seine Tochter Tartuffe heiratet. Doch der Schwindel fliegt auf, leider zu spät. Orgon hat sein gesamtes Hab und Gut bereits an den Hochstapler verschenkt, und der Gerichtsvollzieher fordert die sofortige Räumung des Hauses.
Für Orgon und seine Familie gibt es schlussendlich doch ein Happy End. Tartuffe wird vom König als Betrüger entlarvt und vom Richter verhaftet. Die Familie bekommt ihr Vermögen zurück und die Tochter darf ihren eigentlichen Geliebten heiraten.
Das Thema des Stücks ist auch heute noch sehr brisant. Wie heißt es dazu im Programm Flyer? „Die moderne politische Interpretation dürfte nicht allzu schwerfallen“, spätestens jedoch nach dem modernisierten Schlussmonolog des Richters.
In der Pause gab es an beiden Tagen in der Pausenhalle kühle Getränke sowie Eis. Und am kleinen Stand des neuen Kooperations, dem Verein Lintorfer Heimatfreunde, konnten die Besucher unter anderem ihr Wissen über Lintorf bei dem großen Lintorf-Quiz unter Beweis stellen oder in der noch aktuellen Quecke stöbern.

