Hösel. Dieses Konzert des Kulturkreises Hösel stand im Zeichen der spätromantischen Klangsprache. In der kammermusikalischen Besetzung – Violoncello, gespielt von der grandiosen Britin Sarah Gait, und Flügel, begleitet von dem überaus erfahrenen Pianisten Robert Weinsheimer – entfaltete sich ein Programm, das sowohl lyrische Innigkeit als auch technisch anspruchsvolle Brillanz verlangte.
Den Auftakt bildete die „Romanze“ von Richard Strauss, ein vergleichsweise kurzes Werk, das jedoch bereits die hohe Ausdruckskunst der Cellistin offenbarte. Mit warmem, tragfähigem Ton gestaltete sie die weitgespannten Melodiebögen, während der Klavierbegleiter sensibel und taktvoll agierte. Im Zentrum des ersten Programmteils stand jedoch Schuberts Arpeggione-Sonate, deren ungewöhnliche Entstehungsgeschichte heute kaum mehr spürbar ist – so selbstverständlich wirkt sie im Repertoire des Cellos. Der Arpeggione wird historisch eine Streich- bzw. Bogengitarre genannt. Im ersten Satz („Allegro moderato“) überzeugte das Duo durch eine ausgewogene Balance: das Klavier setzte klare strukturelle Akzente, während das Cello mit geschmeidiger Linienführung glänzte. Das „Adagio“ geriet zum emotionalen Höhepunkt – hier entfaltete die Cellistin einen beinahe vokalen (gesanglichen) Klang, von großer Ruhe und Tiefe getragen. Das abschließende „Allegretto“ brachte dann Leichtigkeit und tänzerische Eleganz zurück, mit präzisem Zusammenspiel und feinem Humor in den Phrasierungen. Mit „Das Heimweh“ von Schubert – in einer von Sarah Gait transkribierten Fassung für Violoncello und Klavier – wurde nach der Pause eine wunderbar intime, liedhafte Atmosphäre geschaffen. Hier zeigte sich die herausragende Fähigkeit der Cellistin, den Charakter der menschlichen Stimme nachzuempfinden. Der Klavierpart blieb bewusst zurückhaltend und ließ dem Cello viel Raum zur klanglichen Entfaltung. Es folgte die umfangreiche Cellosonate in F-Dur op. 6 von Richard Strauss – ein Werk jugendlicher Energie und kompositorischer Dichte. Im ersten Satz („Allegro con brio“) beeindruckte vor allem die herausragende technische Souveränität beider Musiker: Rasante Passagen und komplexe Dialoge wurden mit Präzision und klarem Ausdruck gemeistert. Das „Andante ma non troppo“ brachte eine lyrische Versenkung, die durch das feine Zusammenspiel getragen wurde – ein musikalischer Dialog auf Augenhöhe. Im Finale („Allegro vivo“) schließlich entlud sich die Energie des Werkes in lebendiger Spielfreude und brillanter Virtuosität.
Das Publikum reagierte entsprechend begeistert: Nach dem offiziellen Programm wollte der Applaus kaum enden und mündete schließlich in stehenden Ovationen. Als Zugabe präsentierte die Cellistin ein selbstkomponiertes Stück, das auf Motiven und klanglichen Ideen aus Schuberts Cellosonaten basierte. Diese persönliche, zugleich stilistisch fein gearbeitete Hommage schlug eine Brücke zurück zum Zentrum des Abends und unterstrich eindrucksvoll die künstlerische Exzellenz der Interpretin.


