40 Jahre Integrationsrat in Ratingen

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Ratingen. Das kann nicht jede Stadt vorweisen: Einen Integrationsrat, der bereits seit 40 Jahren besteht. Ratingen gehörte 1981 zu einer der ersten Kommunen, die ein Gremium zur Interessensvertretung der zugewanderten Menschen ins Leben riefen. Das Jubiläum zum 40-jährigen Bestehen wurde jetzt mit Gästen aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft offiziell gefeiert – zwar mit einem Jahr Verspätung aufgrund der Corona-Pandemie, dafür aber umso ehrwürdiger in den Mauern des prächtigen LVR-Museum Haus Cromford. Eingeladen hatten der Integrationsrat unter der Vorsitzenden Hannelore Becker und das Büro der städtischen Integrationsbeauftragten Zeliha Yetik.

Besser hätte der Ort für die Jubiläumsfeier nicht gewählt sein können. Nicht nur wegen des Ambientes des Hauses, sondern weil das Herrenhaus mit angeschlossener Textilfabrik selbst mit den Themen Migration und Integration verbunden ist. Das machte Gastgeberin Claudia Gottfried, Leiterin des Museums, deutlich: „Am Anfang arbeiteten hier angeworbene Arbeiter aus England, dann gab es das dunkle Kapitel der Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine und später kamen die so genannten Gastarbeiter, die auch hier in den umliegenden Häuser wohnten.“

Dies griff die 1. Vorsitzende des Integrationsrates, Hannelore Becker, in ihrer Begrüßungsrede auf. Sie zitierte Max Frisch, der 1965 davon sprach, dass man Arbeiter gerufen habe, aber Menschen gekommen seien. „In diesem Sinne bemühe sich der Integrationsrat politisch um eine gleichberechtigte Teilhabe dieser Menschen am gesellschaftlichen Leben.“

Konkrete Ziele beschreibt sie mit der Wiedereröffnung einer ständigen Nebenstelle der Ausländerbehörde (Kreis-Service-Center) in Ratingen, die Stärkung der Antidiskriminierungsarbeit in Ratingen und eine adäquate und menschenwürdige Unterbringung der Flüchtlinge.

Welchen Stellenwert die Arbeit des Integrationsrates für die Stadt hat, bewies auch die weitere Rednerliste. Der Erste Beigeordnete Patrick Anders, welcher Bürgermeister Klaus Pesch vertrat, unterstrich die politische Bedeutung dieses Gremiums: „Als Beigeordneter, der selbst jahrelang politisch in Gremien und Ausschüssen aktiv war, kann ich sagen, dass viele wichtige Themen wahrscheinlich keinen Platz in die politische Debatte gefunden hätten, wenn nicht der Integrationsrat sie auf die Tagesordnung gebracht hätte.“ Er bedankte sich bei den anwesenden Mitgliedern des Integrationsrates für ihr Engagement und ermutigte sie, sich weiterhin aktiv in die Kommunalpolitik einzumischen.

Extra aus Bonn war Oyhun Ishdorj, die stellvertretende Vorsitzende des Landesintegrationsrates, für die Feier angereist. Sie hob die Vorreiterrolle Ratingens in der Integrationsarbeit hervor und würdigte besonders die Arbeit des ersten Integrationsbeauftragten der Stadt Ratingen, Franz Naber. „Ein großer Dank für das unermüdliche Engagement gilt insbesondere allen Akteuren aus der ersten Generation der Integrationsarbeit. Ihr habt dicker Bretter an der ein oder anderen Stelle bohren müssen und dadurch viel erreicht, auf das wir nun aufbauen können.“

Wichtig für den zuständigen Sozialdezernenten Harald Filip war es, in seiner Rede die notwendige verstärkte Beteiligung von Menschen mit Einwanderungsgeschichte in der Politik und Verwaltung zu betonen. „Es kann nicht sein, dass dort über Menschen mit Migrationshintergrund entschieden wird, sie selbst aber unterrepräsentiert sind. Das müssen wir ändern“, lautete sein Appell. Zudem war ihm angesichts gesellschaftlicher Spaltung wichtig, den Integrationsmitgliedern ein Signal der Ermutigung zu senden: „Wir lassen uns nicht von denjenigen beirren, die Hass und Fremdenfeindlichkeit schüren, die dem friedlichen Zusammenleben eine Absage erteilen und die die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben wollen. Wir, und allen voran Sie, meine Damen und Herren, erheben dagegen ihre Stimme und tragen zu einem guten Miteinander bei, das von Wertschätzung und Respekt geprägt ist.“

Im Anschluss an die feierlichen Reden und das kulinarische Büfett nutzten die Gäste noch das exklusive Angebot von Claudia Gottfried, an einer kurzen Museumsführung teilzunehmen.

Der Integrationsrat Ratingen besteht aus zwölf direkt gewählten Vertreterinnen oder Vertretern der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte und sechs vom Rat entsandten Mitgliedern. Seine Wahl erfolgt zugleich mit den Kommunalwahlen.

Foto: Stadt Ratingen