Premiere: Messer in Hennen

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Hösel. Mit einer nahezu ausverkauften Vorstellung und langanhaltendem, begeistertem Applaus feierte das Kleine Theater Nebenan am vergangenen Freitag im Evangelischen Gemeindezentrum Hösel die Premiere von Messer in Hennen des schottischen Dramatikers David Harrower. Der außergewöhnliche Theaterabend hinterließ beim Publikum einen tiefen Eindruck und unterstrich einmal mehr den Anspruch des Theaters, anspruchsvolles zeitgenössisches Theater ins Herz Ratingens zu bringen.

Messer in Hennen gilt als eines der bedeutendsten Werke des zeitgenössischen britischen Theaters. In einer archaisch anmutenden, namenlosen Welt erzählt Harrower die Geschichte einer jungen Frau, die durch die Begegnung mit einem Müller beginnt, die Welt mit anderen Augen zu sehen – und dabei die Grenzen von Sprache, Denken und Begehren neu zu vermessen.

Was Messer in Hennen für jede Inszenierung zu einer besonderen Herausforderung macht, ist Harrowers eigenwillige Sprache. „Die Sprache des Stückes ist für uns Theatermacher wie auch das Publikum durchaus eine Herausforderung“, so Theaterleiter und Regisseur Michael Schäfer. „Es ist eine reduzierte, spröde Sprache, in der es immer wieder Lücken gibt. Wörter müssen entdeckt werden, Sätze brechen ab, weil das Denken noch nicht weiter reicht. Auf der anderen Seite sprechen die Figuren oft in Bildern, benutzen Worte in anderen Zusammenhängen, weil ihnen die richtigen Worte fehlen.“

Dies erfordert von den Darstellenden eine außerordentliche Konzentration und eine tiefe Bereitschaft, im Unvollständigen zu verweilen. Die Inszenierung von Michael Schäfer nahm diese Herausforderung an und ließ die Textur von Harrowers Sprache hörbar werden – mit Momenten von beklemmender Stille und plötzlicher, fast brutaler Intensität.

Auch dramaturgisch stellt das Stück hohe Anforderungen: „Die Handlung des Stückes besteht eher aus Schlaglichtern,“ so Schäfer weiter. „Die drei Figuren – die junge Frau, ihr Mann William und der Müller – bewegen sich in einer Dramaturgie der Zustände, nicht der Ereignisse. Die Spannungsbögen und die Handlung entstehen nicht durch klassische Wendungen einer äußeren Handlung, sondern durch die langsame Verschiebung von Machtverhältnissen. Das erfordert ein hohes Maß an Präzession von den drei Schauspielenden und auch vom Publikum. Es ist ein Abend, auf dem man herumkauen muss.“

Die Inszenierung setzte auf eine konzentrierte, karge Bühnensprache, die dem Text den Raum ließ, den er braucht – und ein hohes Maß an Emotionalität, um diese Sprache menschlich werden zu lassen und das Publikum zu berühren. Die drei Schauspielenden Luisa Sander, Tim Vanwersch und Lucas Bröckling waren dieser Herausforderung mehr als gewachsen.

Der begeisterte Applaus am Ende der Vorstellung war mehr als Höflichkeit — er war Ausdruck echter Berührung. Messer in Hennen ist kein leichter Theaterabend, aber ein nachhallender. Und genau das ist es, wofür das Kleine Theater Nebenan steht.

Weitere Vorstellungstermine sind Donnerstag 16. bis 19. April im Evangelischen Gemeindehaus Ratingen-Hösel. Infos und Kartenreservierung unter www.kleines-theater-nebenan.de sowie telefonisch unter 02102-14 717 44 oder an der Abendkasse.

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