Demenz muss in die Mitte der Gesellschaft

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Lintorf/Mülheim. Wie nah sich Macht und Ohnmacht sind, zeigt sich weltweit bei der Entwicklung der Demenzerkrankten. Klar, der demografische Wandel ist im vollen Gange und daneben sorgen vor allem weiterhin die Verbesserungen in Medizin und Forschung sowie die Spezialisierungen in der Versorgung dafür, dass immer mehr Menschen eine immer höhere Lebenserwartung haben. Gleichbedeutend jedoch mit dem höheren Risiko an einer Alterserkrankung wie Demenz erst zu erkranken. Die WHO prognostiziert in einer aktuellen Veröffentlichung, dass die kommende Dekade eine 40-prozentige Erhöhung der Demenzerkrankten mit sich bringt. Umso wichtiger, dass das Thema rund um den Welt-Alzheimer-Tag am 20. September in den Fokus gerückt wird. Die Theodor Fliedner Stiftung schließt sich der WHO an: „Demenz muss in die Mitte der Gesellschaft.“ Dieses Jahr steht der Aktionstag sehr passend unter dem Motto „Demenz – genau hinsehen!“.

„Zuletzt wurde die Ambulantisierung der Pflege immer weiter vorangetrieben, doch der Umgang mit demenzerkrankten Menschen ist noch einmal etwas Besonderes“, betonen Sabine Halfen und Claudia Ott aus dem Vorstand der Theodor Fliedner Stiftung. Angehörige – gerade Lebenspartner:inen und/oder Kinder – stehen nicht nur der körperlichen Versorgung gegenüber. „Der Mensch mit Demenz verändert sich, das ist für alle Seiten auch eine hochemotionale Herausforderung.“ Und schon zuvor stehen Angehörige in besonderer Verantwortung. „Je mehr wir uns darum bemühen, dass Menschen im gewohnten Umfeld altern können, desto eher muss das Umfeld auch Anzeichen wahrnehmen, die auf eine demenzielle Veränderung hinweisen.“ Die Theodor Fliedner Stiftung und ihre bundesweiten Angebote begrüßen daher außerordentlich das Thema des Welt-Alzheimer-Tags in diesem Jahr: Demenz – genau hinsehen!

So macht die Kampagne aufmerksam auf Frühzeichen einer Demenz. „Natürlich ist es wichtig, dass niemand unter eine Art Generalverdacht gestellt werde, doch hinsehen und hinterfragen hilft.“ Schließlich gebe es heutzutage gute Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf zu verzögern. Eines der Frühzeichen ist die klassisch für das Krankheitsbild stehende größer werdende Vergesslichkeit oder Appetitlosigkeit. Oder wenn das geliebte Hobby wie Kartenspielen plötzlich nicht mehr gerne gemacht wird. „Viele Menschen verstecken die aufkeimenden Defizite aus Scham oder Angst, legen sich Ausreden zu.“ Daher sei nun die Schulung und Sensibilisierung des Umfeldes eine wichtige Aufgabe innerhalb der Gesellschaft. In der Theodor Fliedner Stiftung gibt es zum Beispiel das Angebot der Familialen Pflege. Hier werden speziell die Angehörigen geschult im Umgang mit einem demenziell veränderten Familienmitglied. Derzeit wird das Angebot in Mülheim, Duisburg und Ratingen angeboten – mit großem Erfolg. Ein ähnliches Aufgabengebiet hat die Ratinger Demenzinitiative, die niedrigschwellig in der Stadtmitte als Anlaufstelle für die Bevölkerung ein Beratungsangebot bietet. Für den Vorstand auch ein Standort im übertragbaren Sinne: „Das ist genau der Ort, wo Demenz hingehört, in die Mitte der Gesellschaft.“

Haus Bethesda in Lintorf (Foto: privat)