Ratingen. Im Jubiläumsjahr 2026 widmet das Museum Ratingen, Grabenstraße 21, dem international bekannten Künstler Elger Esser eine Einzelausstellung mit dem Titel „Elger Esser. Tempus pingendi – Die Zeit des Malens“. Die Ausstellung wird am Freitag, 18. September, um 19 Uhr eröffnet und ist anschließend bis zum 24. Januar 2027 zu sehen.
Esser wurde 1967 in Stuttgart geboren, wuchs in Rom auf und studierte von 1991 bis 1997 als Meisterschüler von Bernd Becher an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er seitdem lebt. Von 2006 bis 2009 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und 2008 Gastprofessor an der Folkwang-Schule in Essen.
Essers zentrales Thema ist die Landschaftsfotografie. Er gilt als einer der konsequentesten Schüler Bechers hinsichtlich der Idee, Typologien oder Topografien als Basis seines Œuvres anzulegen. Die Ausstellung zeigt Werke aus allen Schaffensphasen und bezieht neben der Landschaft auch Bildgattungen wie Porträt, Akt und Stillleben mit ein.
Elger Essers Werk entfaltet sich im Spannungsfeld kultureller Erinnerung, kunsthistorischer Überlieferung und gegenwärtiger Wahrnehmung. Es lässt sich als ein Parcours durch die Geschichte der Fotografie lesen, zugleich aber auch als ein vielschichtiger Dialog mit der Malerei. Der Titel der Ausstellung „Tempus pingendi – Die Zeit des Malens“ verweist auf dieses Verhältnis der Bildmedien und auf eine Zeitlichkeit, die nicht linear verläuft: Vergangenes erscheint in der Gegenwart des Bildes, während die Gegenwart selbst bereits als Erinnerung erfahrbar wird.
Essers Landschaftsaufnahmen sind durchzogen von kunsthistorischen und kulturellen Rückbezügen. Seine Motive findet er vor allem im romanischen Kulturraum, dessen Landschaften, Städte und Flussläufe für ihn nicht nur geografische Orte, sondern auch Träger einer über Jahrhunderte gewachsenen europäischen Bild- und Geistesgeschichte sind. Unter ihrer poetischen Oberfläche bleibt das Vergangene gegenwärtig. Flüsse, Wälder und ferne Stadtansichten erscheinen als Speicher von Zeit.
Auch die Ausstellung im Museum Ratingen ist in ein Geflecht historischer Bezüge eingebunden. Im Rahmen des diesjährigen Stadtjubiläums richtet Elger Esser den Blick insbesondere auf die Beziehungen Ratingens zu Frankreich. Darin öffnet sich zugleich eine weiterführende Perspektive auf den europäischen Gedanken, als eine über lange Zeit entstandene Kultur des Austauschs.
Bereits 1958 wurde eine Städtepartnerschaft mit Maubeuge geschlossen. Maubeuge liegt am Fluss Sambre im Département Nord. 1963 kam die Partnerschaft von Le Quesnoy und der damals noch unabhängigen Gemeinde Hösel hinzu. Le Quesnoy befindet sich in der Nähe von Maubeuge am Fluss Rhonelle. Anlässlich der Ausstellung sind an beiden französischen Orten Fotografien entstanden, die der Künstler erstmalig präsentiert.
Essers künstlerischer Schwerpunkt auf landschaftlichen Themen weist eine Verbindung zur Sammlung des Museums Ratingen auf, in der sich zahlreiche Kunstwerke dieses Genres befinden. Passend zu dem Doppeljubiläum der Stadt und des Museums Ratingen verzahnt sich die Kunstausstellung wiederum mit der kulturhistorischen Schau „750 Jahre Ratingen – eine Standortbeschreibung“, die am 11. Oktober eröffnet wird.
Begleitend zur Ausstellung von Elger Esser erscheint ein Buch im Verlag Schirmer/Mosel, gestaltet von Monika Malsy. Es enthält Essays von Florian Illies, Michael Krüger, David Quéré und Kirsten Voigt. Ausstellung und Katalog wurden durch eine großzügige Förderung des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ermöglicht.
Die Ausstellung wird am 18. September um 19 Uhr eröffnet. Es sprechen: Patrick Anders, Bürgermeister der Stadt Ratingen, Ernst Lauterjung, Vorsitzender des Kulturausschusses der Landschaftsversammlung Rheinland, Wiebke Siever, Leiterin des Museum Ratingen, und der Künstler Dieter Nuhr.

