Neue Infotafeln am jüdischen Friedhof

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Kaiserswerth. Der kleine Jüdische Friedhof an der Ecke Alte Landstraße und Zeppenheimer Weg wurde in den vergangenen Monaten durch das Garten-, Friedhofs- und Forstamt und die Jugendberufshilfe Düsseldorf gepflegt, zum Teil neu umfriedet und gestaltet. Darüber hinaus wurden dort zwei Tafeln enthüllt, die den Friedhof und den direkt daneben stehenden vorgeschichtlichen Stein „Kaiserswerther Menhir“ erläutern.

Man kann fortan die Geschichte dieses besonderen Ortes lesen. Die Textentwürfe stammen aus der Unteren Denkmalbehörde (Menhir) und der Mahn- und Gedenkstätte (Friedhof). Die zwölf dort erhaltenen Grabsteine wurden nicht verändert – dies ist nach jüdischer Tradition nicht zulässig – jedoch wissenschaftlich erfasst. Die Mahn- und Gedenkstätte hat die Biografien der dort Bestatteten erarbeitet.

Bei der Enthüllung der Infotafeln wurde auch die erste Etappe des didaktischen Projekts mit dem Fliedner- und dem Alber-Einstein-Gymnasium zur jüdischen Geschichte Kaiserswerths, das von der Mahn- und Gedenkstätte geleitet wird und nach den Sommerferien beginnt, vorgestellt.

„Wir freuen uns, dass unser interfraktioneller Antrag nun umgesetzt wurde, um die jüdische Geschichte von Kaiserswerth anschaulich und sichtbar zu machen. Das ist ein gutes Zeichen“, so Bezirksbürgermeister Stefan Golißa.

Bezirksbürgermeister Stefan Golißa konnte zahlreiche Gäste begrüßen, so etwa Mitglieder der Bezirksvertretung, Miriam Koch, Beigeordnete für Kultur und Integration, die Geschäftsführerin des Landesverbands Jüdischer Gemeinden von Nordrhein, Inna Goudz, Bert Römgens, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde, den Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Bastian Fleermann und Andrea Baum vom Garten-, Friedhofs- und Forstamt. Die umfassenden Arbeiten auf dem Friedhof inklusive Errichtung der neuen Infotafeln wurden auf Basis eines Beschlusses der Bezirksvertretung 5 durchgeführt.

Historischer Hintergrund
Urkundlich zum ersten Mal erwähnt wurde der jüdische Friedhof als „Juden Kirchhof“ im Jahre 1737. Die jüdischen Familien aus Kaiserswerth und der Umgebung bestatteten dort ihre Verstorbenen. Die letzte Bestattung erfolgte 1938. Die dort Bestatteten waren Bürger und Nachbarn aus Kaiserswerth, die zum Teil seit Generationen hier lebten. Viele waren Händler und Metzger.

Zu Zeiten des Nationalsozialismus wurde der Friedhof geschändet: Um das Jahr 1940 ließ die Stadt Düsseldorf die Grabsteine entfernen, abtransportieren und im Kittelbach versenken. Erst 1948 und 1949 brachte man zumindest die erhaltenen zwölf Steine wieder zurück und stellte sie erneut auf. Die Neuaufstellung erfolgte relativ willkürlich und nicht an den ursprünglichen Standorten der Gräber. Grabstelle und Grabstein passen also vermutlich nicht genau zueinander.

Wie viele Menschen insgesamt dort bestattet liegen und wie viele Grabsteine es ursprünglich waren, ist unbekannt. Das, was hier heute vorzufinden ist, ist also allenfalls ein fragmentarisch überlieferter Friedhof. Der Friedhof ist heute Eigentum der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Pflege des Grundstücks erfolgt durch das Garten-, Friedhofs- und Forstamt und die Jugendberufshilfe Düsseldorf. Seit 2004 steht der Friedhof unter Denkmalschutz.

Kantor Aaron Malinsky (rechts) gemeinsam mit dem Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Bastian Fleermann (links) (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/David Young)