Heimat- und Eisenbahnfreunde unterwegs im Angertal

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Lintorf/Ratingen. Es gibt Heimatfreunde und es gibt Eisenbahnfreunde. Und dann gibt es die drei Heimatvereine in Lintorf und Ratingen, die beides miteinander verbinden: Eine Fahrt in historischen Waggons aus den 1950er Jahren durch das romantische Angertal. Weit über 300 Heimatfreunde nahmen die Gelegenheit am vergangenen Sonntag wahr.

Los ging es am Ostbahnhof. Bereits eine Stunde vor Abfahrt kamen die ersten Reisenden am Bahnhof an. Empfangen wurden sie von den zahlreichen Helferinnen und Helfern der Heimatvereine. Sie kontrollierten, ob die Reisenden die 3G-Regel einhielten.

„Wir hatten mit mehr Hektik gerechnet“, erzählt Barbara Lüdecke, Vorsitzende der Lintorfer Heimatfreunde. Doch bei den vielen helfenden Händen gab es gar kein Gedränge. Jonges-Reisebaas Norbert Halverkamps und Michael Lumer, Vorsitzender des Ratinger Heimatvereins, freuten sich über den reibungslosen Ablauf.

Der Zug auf dem Weg ins Angertal

Da die S-Bahnstrecke zurzeit gesperrt ist, kam der Zug bereits eine halbe Stunde vor der Abfahrt. So hatte jeder Zeit und Gelegenheit sich die aus dem Bayrischen Eisenbahnmuseum Nördlingen kommenden sieben Eisenbahnwaggons genauer anzuschauen. Die Eisenbahnfreunde unter den Heimatfreunden fachsimpelten angeregt miteinander.

„Wenn ich überlege, dass das die Erste-Klasse-Wagen waren, dann war das Reisen mit der Bahn damals schon ungemütlich“, stellte einer der Bahnfahrer fest. Insbesondere die Enge in den Großraumwaggons und der Lärm während der Fahrt waren schon erstaunlich. Doch für Koffer habe es damals mehr Gepäcknetze gegeben, merkte eine andere Mitreisende an.

David Uhr, Geschäftsführer des Ratinger Eisenbahnverkehrsunternehmens Railflex, schrieb am Sonntag vor Reisebeginn in den Sozialen Medien: „Da die Strecke zwischen Hösel und Essen gesperrt ist, fahren wir mit mehrfach ’sägen‘ nach Rath und Wedau und dann nach Wülfrath.“ Das „Sägen“ (Rangieren) war notwendig, um am Abzweig Tiefenbroich auf das Gleis der Kalkbahn ins Angertal wechseln zu können. David Uhr ließ es sich übrigens nicht nehmen, eine der beiden Loks selbst zu fahren.

Bahnübergang in Lintorf

Die Stimmung in den vollbesetzten Waggons war ausgelassen. Weil es erstaunlich warm war, waren praktisch alle Fenster geöffnet. „Wäre in den modernen Zügen heute nicht mehr möglich“, stellte Andreas Preuß fest, stellvertretender Vorsitzender der Lintorfer Heimatfreunde. Mit ein ganz klein wenig Schadenfreunde winkte er etwas später am Bahnübergang in Lintorf den vor den Schranken Wartenden zu.

Auf der der Strecke der Kalkbahn fuhr der Zug zwischen 30 und 40 Stundenkilometer wegen der vielen ungesicherten Bahnübergänge. Und wegen der Steigung. Zurück, also bergab, ging es aber nur ein wenig schneller. Denn die Bahnübergänge waren immer noch ungesichert. Auf der Westbahnstrecke machten die Lokführer dann Tempo. Jedenfalls hielt der Zug mit den Autos auf der Fritz-Bauer-Straße mit.

Nach gut drei Stunden Fahrt hielt der Sonderzug der Heimatfreunde wieder am Ostbahnhof. Auch beim Ausstieg gab es kein Gedränge, schließlich musste der Zug nicht sofort weiter fahren. So blieb noch einmal Zeit, Fotos von den Lokomotiven und Waggons zu machen.

Gemeinsam hatten die Ratinger Jonges, der Ratinger Heimatverein und der Lintorfer Heimatverein die Fahrt auf die Beine gestellt. Unterstützt wurden sie dabei von dem Ratinger Eisenbahnverkehrsunternehmen Railflex, dass die Anhänger organisiert hatte und die Lokomotiven und Lokführer stellte. Außerdem hatte Railflex natürlich die Fahrt bahntechnisch geplant.