Lintorf. Andreas F. Achenbach, der in Lintorf lebende Autor, liest am 2. Oktober aus seiner im Frühjahr erst erschienenen Autobiografie „Wie wir werden, damit wir sind – Voller Neugier auf der Suche: lesen lieben lernen“ vielleicht zum letzten Mal in der SGG in Hösel. Wie uns der in Kürze 83 Jahre alte Autor diskret wissen ließ, wird er diese Veranstaltung mit einer sehr persönlichen Botschaft verbinden.
Wer weiß schon, wie und warum er seinen Namen bekommen hat? Der in Ratingenansässige, in Cottbus im Krieg geborene Autor aus Hessen, der 21 mal in seinem Leben umgezogen ist, wird nicht nur diese Frage authentisch für sich beantworten. In einer kombinierten Mulimedia-Session werden markante Episoden, Fakten, Ergründlichesund Unergründliches aus dem Leben eines vorm Ende des zweiten Weltkriegs geborenen Knaben bis zur frühen Heirat mit 21 Jahren präsentiert. Und der bastelte sich als Ältester von sechs Geschwistern zwischen den Forderungen an den ‚Großen‘ durch die Eltern mit dem intensiven Entdeckerbedürfnis an der unbekannten Welt da Draußen und der Förderung seiner Großmutter in der großen Stadt Frankfurt am Main sich sukzessive eine eigene Lebensphilosophie.
Der Heranwachsende musste nicht nur psychische Probleme meist für sich ganz allein bewältigen, sondern auch noch als allzeit verfügbare Hilfe den Eltern im Haushalt, im Hotel und einer Wein- und Likörstube schon früh unermüdlich und selbstlos zur Hand gehen. Das lehrte ihn zwar viele hauswirtschaftliche Kniffe und Gebrauchsregeln, bedeutete aber auch nur wenig kindliche Zeit für sich selbst. Um die dadurch entstehende innere Einsamkeit zu überwinden, streunte er bei Entdeckungstouren auf dem Dachboden der einen Großmutter auf dem Lande und ließ sich von der anderen in der Stadt früh an Lese- und Musikkultur heranführen. Lesen, Schreiben und Musizieren wurden ihm Trost und Lebenshilfe.
Dazu liest er für Sie aus seinem 1. Band der auf drei Bände angelegten Autobiografie und Lebensbeichte eines rastlosen Realisten über seine erste Begegnung mit dem Tod, sein stummes Staunen bei einem Bauernmahl, über elendes Hummersterben in der Hotelküche sowie illustre Festspielstars bei den ersten Bad Hersfelder Festspielen nach dem Krieg und den fast perfekten Service eines Zehnjährigen für US Offiziere in der Rhönklause zu Hünfeld/Rhön.
Nach einer Pause mit Getränken – auch Pfälzer Wein, Spreewaldgurken, Düsseldorfer Gebäck – konzentriert er sich dann bis 19:50 Uhr im 2. Teil der Lesung auf zwei tragische Unfälle im Jahr 1953, den VW-Klau von der Tante und Autofahren ohne Führerschein mit 14 sowie eine Geburtshilfe im Kuhstall, Exerzitien bei den Mönchen auf dem Kreuzberg/Rhön und die ersten erotischen Kontakte zu Frauen im zarten Alter von 16 Jahren. Der Autor ist noch Mitglied im Kulturkreis Hösel und freut sich auf ihren Besuch.
2. Oktober, um 18 Uhr in der Begegnungsstätte Stiftung Geschwister Gerhard SGG
in Hösel, Bahnhofstraße 90. Anmelden bei Sabine Jour unter 02102-68101 bis 30. September.

