Kaiserswerth. Odeth ist drei Jahre alt. Wie durch ein Wunder hat das Mädchen in ihrer Heimat in Angola überlebt, obwohl sie mit einer sogenannten Bauchspalte auf die Welt gekommen ist. Infolge dieses Defekts der vorderen Bauchwand entwickelten sich Leber von Odeth kugelförmig ungeschützt vor dem Bauch statt innerhalb der schützenden Bauchhöhle. Eine ärztliche Behandlung im Heimatland war nicht möglich, da es dort keine Operationsmöglichkeiten mit Intensivstation und Beatmungsmedizin gibt. Über das Friedensdorf International ist sie mit zwei Jahren nach Deutschland gekommen und im Florence-Nightingale-Krankenhaus erfolgreich behandelt worden.
„Die Situation von Odeth ist mit dem Leben nicht vereinbar. Ihr Bauch war komplett offen. Es ist ein Wunder, dass sie bisher überlebt hat. Ein Sturz oder ein spitzer Gegenstand hätten zur Verletzung der außen liegenden Organe und zum Verbluten führen können. In Deutschland werden Kinder mit einer Bauchspalte oder einem Bauchorganvorfall in den ersten sechs Lebensmonaten operiert. Daher war die Situation von Odeth auch für uns ungewöhnlich. Eine Operation wie diese haben wir noch nie durchgeführt. Wir standen vor der Frage: Wie bringen wir die Organe, die von einer dünnen Hautschicht bedeckt waren, unter die Bauchdecke?“ erzählt Dr. med. habil. Bertram Reingruber, Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie und Kindertraumatologie, der jahrzehntelange Erfahrung in der Kinderchirurgie mitbringt.
Doch Dr. Reingruber und sein Team haben die Herausforderung angenommen. In nur einer Operation haben sie die Leber in den Bauchraum zurückverlagert, die Bauchdecke verschlossen und ein Netz zur Stabilisierung eingesetzt. Infolge der OP drückte das Volumen der inneren Organe auf Zwerchfell und Lunge. Odeth musste zwei Nächte auf der Intensivstation beatmet werden, bevor sie auf der Kinderstation weiterbehandelt werden konnte.
„Nach wenigen Wochen wurde deutlich, dass die Behandlung doch noch nicht 100-prozentig erfolgreich war“, schildert Dr. Reingruber weiter. „Die äußere Wunde klaffte, der Bauch war aufgedunsen. Hatte sich das Netz aufgedehnt?“
Bei einer zweiten OP zeigte sich, dass die Bauchhöhle bis ins Becken nach unten gerutscht war. Die Kinderchirurg:innen mussten die inneren Organe noch einmal besser positionieren. Auch ein möglicher Kinderwunsch des kleinen Mädchens wurde berücksichtigt, die Leber an ihrer korrekten Stelle platziert und fixiert, die Narbe revidiert.
„Bei der abschließenden Untersuchung konnten wir sehen, dass die Bauchhaut inzwischen kräftig und stabil ist, sie ist schön abgeheilt“, freut sich Dr. Reingruber. Inzwischen ist Odeth in ihre Heimat zu ihren Eltern und Geschwistern zurückgekehrt.
Um Kindern aus Kriegs- oder Krisengebieten zu helfen und ihre Behandlung durch Spezialisten des Florence-Nightingale-Krankenhauses zu ermöglichen, hat die Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie den „Nothilfefonds“ eingerichtet. Mit Spendengeldern werden die Behandlungskosten finanziert, die von den Krankenkassen nicht übernommen werden. Die Behandlung von Odeth konnte unter anderem durch eine großzügige Spende der Ilselore-Luckow-Stiftung realisiert werden. Wer die Behandlung von Kindern wie Odeth unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende bei der Förderstiftung der Kaiserswerther Diakonie tun unter dem Kennwort „Nothilfefonds“ bei der Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank (IBAN DE61 3506 0190 0000 6506 50)

