Ratingen. Annett Gröschner, mehrfach ausgezeichnete deutsche Schriftstellerin, las – auf Einladung des Kulturkreis Hösel in Kooperation mit dem städtischen Medienzentrum – aus ihrem jüngsten Buch „Schwebende Lasten“. Mehr als 50 Teilnehmer lauschten mucksmäuschenstill und mit sichtbarer Anspannung ihrer eindringlichen Stimme, die viel Empathie und trocknen Humor zeigte, und dem Leben einer Frau, die ein schweres Schicksal erdulden musste: schon als Kind – geboren in der Kaiserzeit – zuhause, bis in die Neuzeit, zuletzt in Ostdeutschland. „Schwebende Lasten“, ein Begriff aus der Schwerindustrie, fand hier eine symbolische Bedeutung.
Die Protagonistin des Werkes liebt Blumen über alles und findet in diesem Umfeld und als Kranführerin in der Höhe immer wieder Rückzugsräume und emotionale Distanz. Ein ganzes Jahrhundert wird durch diesen Lebenslauf lebendig und das spezielle Schicksal und die Sozialisation von Frauen in Ostdeutschland. Ein bißchen hat das Leben der Protagonistin autobiographische Züge der Magdeburgerin Annett Gröschner. Die Beirätin Magret Paprotta moderierte den Abend. Aus dem Publikum kamen viele Fragen an die Autorin, bis hin zur Auswahl der rätselhaften Abbildung auf dem Buchumschlag.
Es wurde ausgesprochen lebhaft und engagiert diskutiert. Das mehrheitliche Urteil: ein äußerst lesenswertes Buch, das für den Deutschen Buchpreis 2025 nominiert war und von dem bekannten Literaturkritiker Denis Scheck sehr empfohlen wird. An den zahlreichen Signaturwünschen am Ende wurde deutlich, dass das Buch und die Lesung sehr nachdenklich gemacht und für die Gegenwart der Menschen ein Fazit erbracht hat: „Lasten sind beherrschbar“, so viele Stimmen von Teilnehmern. Die weitere Erkenntnis des Veranstalters: Literaturkreise mit einer anschließenden Lesung durch den Autor sind spannend und besonders attraktiv.
Denn vor der Lesung fanden in einigen Stadtteilen engagierte Lesekreise zusammen, die sich konstruktiv-kritisch mit diesem Buch auseinandergesetzt und es lebhaft und kontrovers diskutiert hatten. „Der vom Projekt gewollte Impuls in die Stadtgesellschaft von Ratingen hat also funktioniert.“ so Wolfram Brecht, einer der Vorsitzenden und Sprecher des Kulturkreis Hösel. Denn es sind viele Menschen der Region zum Lesen und Diskutieren über einen gemeinsamen Buchtitel angeregt worden, die sich vorgenommen haben, weiter an jeweiligen Literaturkreisen der Kooperationspartner Medienzentrum und Kulturkreis Hösel teilzunehmen, „weil hier Gemeinschaft mit einem inspirierenden Fokus stattfindet.“ so Brecht.
Der Kulturkreis wird demnächst einen neuen Literaturkreistermin mit Buchtitel auf seiner Homepage kulturkreis-hoesel.de/programm veröffentlichen. Ein Eintrag auf der Homepage über den Empfang von Newsletter und Einladungen wird daher sehr empfohlen: https://kulturkreis-hoesel.de/?subscribe. Vielleicht regt ja eine so gelungene Veranstaltung auch zu einer Mitgliedschaft im Kulturkreis Hösel an.


