Lintorf. Das Angerland-Derby hält, was es verspricht: In einer hochdramatischen Partie zwischen dem TV Angermund und den Bomberos Lintorf ’95 sahen die Zuschauer am Freiheitshagen alles, was den Lokalfußball ausmacht. Trotz einer deutlichen Leistungssteigerung und eines „Tor des Monats“ mussten sich die Lintorfer am Ende unglücklich mit 5:7 geschlagen geben.
Ein Derby gegen Angermund ist für die Bomberos immer ein rot markierter Termin im Kalender. Die kurze Anreise, die gemeinsame Geschichte und der gesunde Lokalpatriotismus sorgen stets für eine besondere Atmosphäre. Eigentlich hätte Trainer Daniel Scheffel aus dem Vollen schöpfen können – die Zusage-Liste in der Team-App war lang. Doch die Grippewelle schlug gnadenlos zu: Kurzfristige Absagen dezimierten den Kader, sodass man froh war, dass Sleman Qaro Ali noch spontan einsprang. Ein Glücksgriff, wie sich später zeigen sollte.
Der TV Angermund startete druckvoll. Die Abwehr der TuS 08 Lintorf Hobbyfußballmannschaft, die nicht in Bestbesetzung antreten konnte, sah sich einer Angriffswelle nach der nächsten gegenüber. Zunächst rettete noch der Pfosten, doch der steigende Druck mündete schließlich in der verdienten Führung für die Gastgeber. Die Bomberos fanden bis dato kaum den Weg über die Mittellinie.
Doch dann kam die 29. Minute – der Moment, über den man im Angerland noch lange sprechen wird: Azad Saido tankte sich mit einer starken Einzelleistung durch, nahm sich aus gut 25 Metern ein Herz und hämmerte das Leder unhaltbar genau in den Winkel. Ein absolutes Traumtor und ein heißer Kandidat für das „Tor des Monats“.
Dieser Paukenschlag wirkte wie ein Weckruf. Die Bomberos übernahmen das Kommando und belohnten sich kurz vor dem Pausenpfiff: Der nachnominierte Sleman Qaro Ali bewies Instinkt und staubte eiskalt zur 2:1-Halbzeitführung ab.
Nach dem Seitenwechsel erlebten die Fans eine turbulente Phase. Die Lintorfer verschliefen den Start komplett, und der TVA drehte die Partie mit drei schnellen Treffern zum 4:2. Doch die Moral der Gäste stimmte.
Erneut Azad Saido per Volley-Aufsetzer zum 4:3. Im direkten Anschluss drückten die Schwarz-Gelben den Ball aus einem Getümmel heraus zum 4:4 über die Linie.
In der Folge wurden die Bomberos jedoch wieder zu passiv. Die Strafe folgte auf dem Fuß: Zwei weitere Treffer für Angermund, darunter ein unglückliches Eigentor durch Kamal Murad, brachten die Hausherren erneut in Front.
Zehn Minuten vor dem Ende keimte Hoffnung auf, als ein Distanzschuss der Bomberos den Weg ins Netz fand – der Angermunder Schlussmann sah dabei unglücklich aus. Trainer Scheffel setzte nun alles auf eine Karte und beorderte das Team weit nach vorne. Doch das Risiko wurde nicht belohnt. In der Nachspielzeit machten die Gastgeber per Konter den Deckel zum 7:5-Endstand drauf.
Trainer Daniel Scheffel: „Uns haben heute einfach die Wechselspieler gefehlt. Mit ein bisschen mehr frischem Wind von der Bank wäre hier heute definitiv ein besseres Ergebnis möglich gewesen.“
Manager Michael Wiesenhöfer: „Wir steigern uns von Spiel zu Spiel. Die Weihnachtspause steckt uns zwar immer etwas in den Knochen – vielleicht sollten wir einfach mal durchspielen (lacht). Aber die Richtung stimmt!“


