Yvonne Roeb zeigt ihre Schau „Bestiarium“

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Düsseldorf. Ob Elefant, Löwe, Mantikor oder Einhorn: Exotische und fantastische Wesen bevölkerten die Seiten mittelalterlicher Bücher, den sogenannten Bestiarien. Diese in aufwendiger Detailarbeit hergestellten Werke mit beschreibenden sowie literarisch erzählenden Texten und leuchtenden Illuminationen stammen aus klösterlichen Schreibstuben des 9. bis 13. Jahrhunderts. Sie vermittelten mit ihren fantastischen Text- und Bildquellen nicht etwa einen authentisch naturhistorischen, sondern eine häufig moralisch beziehungsweise biblisch konnotierte Grundaussage an den Leser. Die in Berlin und Düsseldorf lebende Künstlerin Yvonne Roeb nimmt sich mit „BESTIARIUM“ dieser Erzähltradition an und richtet mit neu geformten Skulpturen im Hetjens – Deutsches Keramikmuseum, Schulstraße 4, eine begehbare Kreaturenschau ein, die vom 11. Februar bis zum 30. April im Keramikmuseum zu sehen ist.

Yvonne Roebs Werke, die aus unterschiedlichsten Materialien geschaffen sind (PU-Schaum, Bronzebeschichtungen, Metall, Latex, Holz, Ton, Leder etc.), zeigen zunächst scheinbar Bekanntes, das durch Details und Verschmelzungen neue Gedankenebenen öffnet: Hautähnliche Strukturen stehen harten Oberflächen, fließendes Haar versteinert wirkenden Strukturen, Verharren strebender Bewegung gegenüber. Naturrealismus paart sich bei der Künstlerin mit traumhaft-fantastischen Elementen, die hinter ihrer Ästhetik häufig auch abgründige Assoziationen wecken.

Für die neuen Arbeiten, die im Hetjens gezeigt werden, nutzt die Künstlerin ausschließlich Ton. Metallgestelle mit Glasböden und eine dunkel funkelnde Wandbespannung negieren jeglichen Bezug zu einem natürlichen Lebensraum der Tiergestalten. Die Wesen, welche die Kammer bevölkern, ähneln ausgestorbenen oder weitgehend unbekannten Tierarten und nehmen damit Bezug auf die zweidimensionalen Vorbilder. Nutzten die mittelalterlichen Bestiarien Text und Bild, um gemeinsam eine häufig moralische Aussage zu erzielen, wirken die Skulpturen Roebs für sich selbst. Mussten sich die Illustratoren des Mittelalters mit dem Platz begnügen, der zwischen den zuerst aufgebrachten Schriftblöcken freigelassen wurde, erobert die Künstlerin den gesamten Raum mit den von ihr geformten Gestalten. Roeb schafft ihnen einen Lebens- und Wirkungsraum, lässt ihre „Bestien“ sich in der eigenen hermetisch abgeriegelten Welt tummeln.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

 

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