WIR zeigt Kindermärchen im Stadttheater

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Ratingen. „Ein Kindermärchen in unserem Theater?“ Diese Frage stellen sich einige Zuschauer, denen eine unbekannte Dichterin ihr Märchen vom gestiefelten Kater vorsetzt. Und sie fangen auch sofort an, mit ihr darüber zu diskutieren. Und so nimmt ein turbulenter Theaterabend seinen Lauf, der mehr als eine Panne bereithält. Zu sehen ist das Ganze am Freitag, 9. Juni, Dienstag, 13. und Mittwoch 14. Juni jeweils um 19:30 Uhr im Ratinger Stadttheater, Europaring 9. Der Eintritt ist wie immer frei. Karten zur Kontrolle der Besucherzahlen gibt es an der Abendkasse oder vorab unter www.theater-wir.de

Zum 40. Jubiläum hat sich Theater WIR, die Theatergruppe der VHS Ratingen, Ludwig Tiecks „Der gestiefelte Kater“ vorgenommen, das Stück bearbeitet und mit Anspielungen auf die vielen Aufführungen seit 1977 angereichert. Dabei blieb aber die Substanz, das „Kindermärchen“ unangetastet. Denn dessen Moral war zur Entstehungszeit des Stückes 1797, nur acht Jahre nach der französischen Revolution, durchaus brisant: Auch ein Bauernbursche kann zum König werden, wenn er einen tüchtigen Helfer – eben den Kater – hat. „Revolution“ wittern dann auch die Zuschauer und geraten darüber in heftigen Streit.

Denn Tieck nutzt den Kunstgriff des Theaters auf dem Theater: Er setzt Zuschauer ins Parkett, die sich heftig über den Inhalt des „Märchens“ auseinandersetzen und auch in die Handlung eingreifen. Dabei nimmt er satirisch die Schwächen seiner damals noch in etlichen Kleinstaaten beheimateten deutschen Mitbürger auf die Schippe. Wie zeitlos das alles ist, zeigt sich heute, mehr als 200 Jahre später: Vermeintliches Bildungsbürgertum und eingebildeter Kunstverstand treffen auf ein Theaterstück, dass mehrfach in Gefahr läuft, gründlich missverstanden zu werden oder gar zu scheitern.

Die VHS-Theatergruppe schlägt mit dieser Produktion auch eine Brücke zwischen ihren regelmäßigen Sommerproduktionen für ein erwachsenes Publikum und den alljährlichen Weihnachtsmärchen, die seit 1983 vom City-Kauf veranstaltet werden. Ein amüsantes Märchen für Erwachsene und ein Blick hinter die Kulissen des Theaters gleichermaßen.

Archivfoto: WIR/VHS

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