Wie wir Parallelgesellschaften vermeiden

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Essen. „Kein Kinderkram. Wie muslimische Familien mit den Traditionen kämpfen“, so lautet der Titel der Radiosendung Lesart von Deutschlandfunk Kultur, die am Dienstag, 4. Februar, ab 20 Uhr im Café Central des Essener Grillo-Theaters aufgezeichnet wird. Als Gäste erwartet Moderator Christian Rabhansl die Autoren Necla Kelek und Ahmet Toprak, von denen im Oktober zwei neue spannende Sachbücher erschienen sind, sowie WAZ-Kulturchef Jens Dirksen.

In ihrem Buch „Die unheilige Familie. Wie die islamische Tradition Frauen und Kinder entrechtet“ (Droemer) beklagt die Soziologin und Frauenrechtlerin Necla Kelek, dass muslimische Frauen inmitten unserer modernen Gesellschaft Unrecht erleiden müssten und so sehr in der islamischen Familien-Tradition gefangen seien, dass sie ihre Grundrechte nicht wahrnehmen könnten. Ausführlich beschreibt sie, wie es dazu kam, dass Frauen „Beute der Männer“ wurden und Kinder dem Patriarchat preisgegeben sind, aber auch, warum selbst muslimische Männer Opfer dieser Gewaltstrukturen sind. Nötig sei jetzt ein politischer Neuansatz, so Kelek, um echte Integration zu fördern und Parallelgesellschaften in Deutschland zu vermeiden.

Ahmet Toprak, ehemaliger Anti-Gewalt-Trainer und seit 2007 Professor für Erziehungswissenschaft an der FH Dortmund, vertritt in „Muslimisch, männlich, desintegriert. Was bei der Erziehung muslimischer Jungen schiefläuft“ (erschienen bei Econ) die These, dass „für den Erfolg oder Misserfolg von Integration in erster Linie die Erziehung und das Verhalten der Eltern verantwortlich sind“. Im Vergleich zu den Mädchen gewährten sie den Söhnen mehr Freiheit und setzten kaum bis keine Grenzen. Dies wiederum führe dazu, dass Jungen aus türkischen und arabischen Familien öfter die Schule abbrechen, häufiger arbeitslos und gewalttätig würden und oftmals anfällig für religiöse oder nationalistische Radikalisierung seien. Diese „neuen Bildungsverlierer“ gibt Toprak jedoch nicht auf, sondern macht in seinem Buch klar, was sich aus seiner Sicht ändern muss, damit Integration funktionieren kann.

Der Deutschlandfunk Kultur, die Buchhandlung Proust, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung und das Schauspiel Essen führen diese Veranstaltung gemeinsam durch. Die Ausstrahlung der Sende-Aufzeichnung ist am Samstag, 8. Februar, von 11:05 bis 12 Uhr auf Deutschlandfunk Kultur.

Der Eintritt kostet acht Euro. Karten gibt es im Vorverkauf TUP-Ticketcenter, Telefon 0201/81 22-200, und in der Buchhandlung Proust, Telefon 0201/ 839 68 40.

Ahmet Toprak (Foto: Marcus Heine)

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