Wie weit ist es nach Kaffeekanne?

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Gelsenkirchen. Dass ein Bus an jeder Milchkanne hält – davon hat wohl jeder schon mal gehört. Aber wie weit ist es bis Kaffeekanne? Kein Problem: „Kaffeekanne 14 km“ gibt das Schild am Straßenrand an – kein Hinweis auf den nächsten Rasthof, sondern auf den Ort Kaffeekanne im Oberbergischen Kreis. An einer anderen Kreuzung in Nordrhein-Westfalen heißt es dagegen: „Wüste 3 km“ – hier handelt es sich natürlich um die Entfernungsangabe zum gleichnamigen Ortsteil von Remscheid.

Straßenschilder wie „Fettehenne 7 km“ oder „Köterberg 2 km“ dienen der Orientierung auf Landstraßen, Angaben wie „Oberhausen 198 km“ helfen auf Autobahnen dabei, die verbleibende Fahrzeit ungefähr einzuschätzen. Aber wie entstehen diese Zahlen eigentlich? Bis wohin genau wird gemessen? Bis zur Stadtgrenze? Oder bis zur Autobahnausfahrt? Und wer misst?

„Die Entfernungsangabe zwischen zwei benachbarten Zielen bezieht sich immer auf die Lage des Ortsmittelpunktes“, erklärt Benjamin Pier, Abteilungsleiter Verkehr bei Straßen.NRW. Also nicht nur bis zum Ortsschild von Faulebutter, sondern immer mitten rein. „Grundlage für die Angaben auf Landesstraßen sind die so genannten ,Richtlinien für die wegweisende Beschilderung außerhalb von Autobahnen 2000‘.“ Im Kapitel „Entfernungs- und Abstandsangaben“ sei dies definiert. Dort heißt es genau: „Entfernungsangaben werden den Ortsbezeichnungen ergänzend hinzugefügt und geben die Distanz vom Standort des Schildes bis zur Ortsmitte des in der Wegweisung aufgeführten Zielortes an.“ Eine vergleichbare Richtlinie gibt es übrigens auch für Autobahnen.

Welche Entfernungsschilder wo aufgestellt werden, das entscheidet wiederum die zuständige Straßenverkehrsbehörde – im Falle von Faulebutter also der Kreis Olpe, bei Wüste ist es die Stadt Remscheid. Auf Autobahnen wiederum sagt die zuständige Bezirksregierung, wo es lang geht. „Die Behörde ordnet das an“, so Pier, „und der Landesbetrieb Straßenbau NRW als Straßenbaulastträger setzt diese Anordnung um“. Das heißt: Straßen.NRW stellt am entsprechenden Ort die passenden Verkehrszeichen mit den entsprechenden Kilometerangaben auf.

Um die jeweilige Entfernung festzustellen, muss jedoch niemand die Strecke abfahren und dabei auf den Kilometerstand schauen. Im Gegenteil: Diese Berechnungen erfolgen ausschließlich vom Schreibtisch aus – und unter Zuhilfenahme von elektronischen Navigationssystemen. Entfernungsangaben auf Bundesstraßen zwischen zwei benachbarten Zielen sind zusätzlich auch noch im „Bundesstraßenverzeichnis mit den Fern- und Nahzielen“ (BVERZ) enthalten. Es gibt für jede Bundesstraße den Streckenverlauf an, beschrieben durch die im Verlauf der Bundesstraße liegenden Fern- und Nahziele und die Entfernungen zwischen benachbarten Zielen. Bei diesen Zielen handelt es sich entweder um Orte oder um Knotenpunkte, also etwa große Kreuzungen. Dabei sind Fernziele verkehrswichtige, allgemein bekannte Orte, die an einer Bundesstraße liegen. Nahziele dagegen sind, der Name lässt es vermuten, weniger verkehrswichtige Ziele.

Für die Landesstraßen gibt es in Nordrhein-Westfalen derzeit noch kein vergleichbares Verzeichnis. Das Prinzip der Wegweisung basiert hier ebenfalls auf Grundlage des BVERZ. „Der Bedarf eines eigenen Verzeichnisses für NRW ist aus Sicht des Landesverkehrsministeriums, der Bezirksregierungen und des Landesbetriebs Straßenbau.NRW durchaus gegeben“, so Pier. „Doch immerhin gibt es in Nordrhein-Westfalen 12.900 Kilometer Landesstraßen im Vergleich zu 4.400 Kilometer Bundesstraßen. Dadurch wäre die Erstellung eines solchen Verzeichnisses mit sehr hohem Aufwand verbunden.“

Genaue Zahlenangaben liegen den Angaben auch auf den Landstraßen dennoch auf jeden Fall zugrunde – Schätzwerte finden sich auf den Schildern keinesfalls. Was nicht heißt, dass es bisweilen zu widersprüchlichen Zahlen kommen kann. Denn auch hinter den Zahlen stecken Menschen, die ab und zu mal Fehler machen. Sicher ist: Viele Wege führen nach Rom. Und bis dahin sind es von Köln aus 68 Kilometer. Ungefähr.

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