Wehrversammlung endgültig abgesagt

Werbung

Ratingen. Das zweite Jahr in Folge kann die traditionelle Wehrversammlung, die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Ratingen, nicht stattfinden. „Das Risiko durch die Corona-Pandemie ist einfach immer noch zu hoch“, sagt Feuerwehrchef René Schubert. „Daher haben wir uns schweren Herzens entschlossen, die für den 2. Juli geplante Wehrversammlung endgültig abzusagen.“

Ohnehin wäre diese Veranstaltung in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich gewesen. Erstens findet die Wehrversammlung sonst im März statt. Sie war in den Juli verschoben worden in der Hoffnung, dass sich die pandemische Lage bis dahin bessert. Zweitens war die Teilnehmerzahl wegen der Pandemie auf 250 Besucher reduziert worden. „Doch auch dies konnten wir nach eingehender Beratung mit dem Kreisgesundheitsamt nicht verantworten“, sagt Feuerwehrdezernent Harald Filip. „Zwar ist das Infektionsgeschehen wie erwartet deutlich zurückgegangen, doch die Delta-Variante bereitet uns erhebliche Sorgen.“

Um die Verbreitung dieser deutlich ansteckenderen Virus-Variante zu bremsen, werden rigoros auch geimpfte Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in Quarantäne geschickt, wenn sie Kontakt mit einem Infizierten hatten. Im Fall der Fälle, wenn sich also im Nachhinein herausgestellt hätte, dass eine mit der Delta-Variante infizierte Person auf der Wehrversammlung gewesen wäre, hätte sich unter Umständen ein großer Teil der Feuerwehr in Quarantäne begeben müssen.

Ein solches Szenario zu vermeiden, ist von Beginn der Pandemie an eines der wichtigsten Ziele der Feuerwehr. Denn sie darf einfach nicht ausfallen. Daher war die Wehrversammlung 2020 die erste Veranstaltung überhaupt in Ratingen gewesen, die Anfang März letzten Jahres wegen der heranrollenden Pandemie abgesagt wurde. Kurz danach wurden bereits weitere Maßnahmen ergriffen, die die Funktionsfähigkeit der Feuerwehr sichern sollen. An der Lintorfer Straße und in Tiefenbroich wurden Interimswachen für Feuerwehr und Rettungsdienst eingerichtet, um die Einsatzkräfte räumlich zu trennen.

„Diese Dislozierungen sind weiterhin erforderlich, das ist auf der letzten Dienstbesprechung der Leiter der Feuerwehren im Kreis Mettmann deutlich herausgearbeitet worden“, sagt René Schubert. Gleiches gilt für weitere Schutzmaßnahmen wie Masken, Testungen und Übungsdienste in Teileinheiten. „Das ist für uns alles andere als schön“, so Schubert.

„Und erst recht tut uns die Absage der Wehrversammlung weh. Denn diese Veranstaltung ist für uns Feuerwehrleute unheimlich wichtig als starkes Symbol des Zusammenhalts.“ Nun werden Beförderungen und Funktionsbestellungen, die sonst ebenso wie Ehrungen auf der großen Bühne der Wehrversammlung zelebriert werden, ganz profan postalisch zugestellt. Ehrungen finden bei Haustürbesuchen statt.

„Das ist traurig, aber unvermeidlich“, sagt Beigeordneter Harald Filip, der Leiter des Stabes für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Ratingen. „Denn wir sollten uns nichts vormachen: Die Pandemie ist noch nicht vorbei, auch wenn wir zurzeit eine Phase der Entspannung erleben. Solange nicht der Großteil der Bevölkerung geimpft ist, und zwar vollständig, droht uns die vierte Infektionswelle. Denn gegen die Delta-Variante bietet selbst die erste Impfung nur einen geringfügigen Schutz vor einer Ansteckung. Daher tut das Robert-Koch-Institut zurzeit alles, um die Ausbreitung der Delta-Variante mindestens zu verzögern. Wir sind gut beraten, wenn wir bei aller Freude über zurückgewonnene Freiheiten weiterhin elementare Schutzmaßnahmen beachten.“