Vortrag: Wandel in Oberschlesien seit 1989

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Hösel. „Wir werfen erneut einen Blick auf die Gemeinsamkeiten von Oberschlesien und Nordrhein-Westfalen“, berichtet David Skrabania, Kulturreferent des Oberschlesischen Landesmuseums. Am Mittwoch, 16. März, 18:30 Uhr wird Jan Opielka in seinem Vortrag „Oberschlesien halb transformiert …“ im Oberschlesischen Landesmuseum (OSLM), Bahnhofstraße 62, einen Blick auf die Veränderungen in Oberschlesien seit 1989.

Die historische Region Oberschlesien, die sich heute auf die beiden Wojewodschaften Schlesien und Oppeln verteilt, ist während der vor über 30 Jahren eingesetzten Transformation großen Erschütterungen ausgesetzt gewesen. Von den einst mehr als 400.000 Arbeitsplätzen im Bergbau etwa sind kaum mehr als 70.000 übriggeblieben, auch andere Industriearbeitsplätze in der Schwer- und Hüttenindustrie fielen dem Wandel, der Privatisierung und vielfach der kompletten Schließung zum Opfer. Folge war nicht nur eine zum Teil hohe Arbeitslosigkeit, sondern auch der Verfall ganzer Stadtviertel und Städte, deren Rückgrat diese Industrien einst bildeten. Heute zählt die Region dennoch zu den ökonomisch stärksten des Landes, die für ausländische und heimische Betriebe im Industrie-, IT- und Dienstleistungssektor aufgrund einer gut ausgebildeten Facharbeiterschaft und immer moderner werdenden Transport- und Straßeninfrastruktur interessant ist. Der Vortrag beleuchtet die Veränderungen in dieser geschichtsträchtigen europäischen Region, die große Ähnlichkeiten mit dem Rhein-Ruhr-Gebiet aufweist.

„Oberschlesien bietet durch seine ökonomische Bedeutung für das bislang als homogen angesehene Polen auch ein Vorbild an Multikulturalität“, so der Referent Jan Opielka. Zuletzt sei die Region nicht nur durch Intellektuelle und Künstler, die sich als schlesisch bezeichnen, landesweites Debattenthema gewesen. „Oberschlesien ist auch wegen seiner wichtigen ökonomischen Rolle inzwischen ein Magnet für Menschen aus der Ukraine, die bereits vor dem russischen Einmarsch in der Region allgegenwärtig waren“, so Opielka weiter.  

In Oberschlesien werden angesichts der europaweit massiv beschleunigten Energiewende in den kommenden Jahren radikale Veränderungen zu beobachten sein. Werden sie politisch gut gelenkt, dürften sie eine Blaupause bilden auch für andere Regionen der EU. Bei einem Fehlen einer langfristigen Energiepolitik indes dürfte die Region in schwere Turbulenzen geraten. Bislang hat Polen den Ausstieg aus der Kohleförderung und -energie allenfalls taktisch gestaltet. Nun ist eine kohärente Ausstiegsstrategie keine Frage der Wahl, sondern unumgängliche Notwendigkeit. Hinzu kommt nun noch der Willen, sich so schnell wie möglich von russischen Öl- und Gaslieferungen unabhängig zu machen.

Foto: OSLM