Vor 70 Jahren Beginn des Koreakriegs

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Berlin. Im Jahr 2020 erinnert sich die Welt an zwei prägende Konflikte des 20. Jahrhunderts: Am 8. Mai jährte sich zum 75. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges, am 25. Juni vor 70 Jahren begann der Korea-Krieg. Beide Konflikte sind eng miteinander verbunden. Der Kalte Krieg als unmittelbare Folge des Zweiten Weltkriegs führte zur Teilung Koreas in einen kommunistischen Norden und einen westlich orientierten Süden. Nur fünf Jahre nach dem Weltkriegsende erlebte Korea ab 1950 drei grausame Kriegsjahre.

In beiden Kriegen litt am meisten die Zivilbevölkerung, vor allem die Kinder. Save the Children war damals in Westdeutschland und in Südkorea im Einsatz. Heute erinnern sich Zeitzeugen an die Hilfen von damals. Ihre Berichte zeigen, was humanitäre Hilfe in der Krise leisten kann und welche lebenslangen Auswirkungen Hilfen für Kinder haben können. In ihrem 100.Jubiläumsjahr initiierte die Kinderrechtsorganisation das internationale Fotoprojekt „Ich lebe“, in dem Überlebende dieser und anderer Konflikte berichten, wie sie den Krieg und die Unterstützung durch Save the Children als Kinder erlebt haben.

Korea-Krieg: Patenschaften, die Leben veränderten
Am 25. Juni 1950 überschritt die nordkoreanische Armee den 38. Breitengrad, die Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea, und löste damit den Korea-Krieg aus. Innerhalb von drei Jahren wurden fast eine Million Soldaten und drei Millionen Zivilisten getötet, die Bevölkerung beider koreanischer Staaten zählte durch den Krieg zu den ärmsten der Welt. Bis heute ist der Konflikt nur durch einen Waffenstillstand gebannt. Immer wieder gibt es Spannungen, die die Welt wachsam verfolgt. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Mitten in diesem verheerenden Krieg initiierte das US-amerikanische Büro von Save the Children 1951 ein Patenschafts-Programm, das Kinder und Jugendliche in Südkorea, die unter den Kriegsfolgen litten, mit wohltätigen Menschen in den USA verband. Auf diese Weise erhielten die Kinder unter anderem Lebensmittel und Schulmaterialien. Wie wichtig diese Patenschaften waren, zeigt die persönliche Geschichte von Yong Woong Jo.

1944 im heutigen Nordkorea geboren, war Yong Woong Jos Kindheit geprägt von den Kriegserlebnissen. Einige Jahre vor Kriegsbeginn floh seine Familie ins südliche Incheon. Dort wuchs der als Kleinkind kränkliche Junge bei seiner Mutter auf. Sein Vater trat dem südkoreanischen Militär bei und kümmerte sich kaum um seine Familie. „Ich war arm, aber ich fühlte mich nicht so“, beschreibt Yong Woong Jo seine Kindheit. Denn durch die Patenschaft mit Naomi Middaugh, die einen Schönheitssalon in Nebraska/USA betrieb, war es ihm möglich, nicht nur den Krieg zu überstehen, sondern auch eine Schulbildung zu erhalten. Jahrelang standen sie im regelmäßigen Austausch, anfangs per Brief, später durch ein Tonbandgerät, das Mrs. Middaugh ihrem Patenkind schickte. Durch die Büros von Save the Children wurde sichergestellt, dass Briefe oder Tonbandaufnahmen auch übersetzt bei dem jeweiligen Adressaten ankamen. Die Botschaften waren Ermutigungen, seinen Weg weiterzugehen, nie aufzugeben – und fleißig in der Schule zu sein.

Nach der Idee des Patenschafts-Programms sollte Mrs. Middaugh ihren Schützling Yong Woong Jo auf diese Weise bis zum Abschluss der Mittelschule im Alter von 18 Jahren begleiten. Entstanden ist daraus eine Freundschaft, die bis weit in die 1980er Jahre hinein anhielt – ohne dass sich beide jemals gesehen haben: „Sie ist für mich wie eine zweite Mutter, meine amerikanische Mutter eben. Weil es sie gab, war ich kein trauriges Kind. Im Gegenteil, ich hatte eine schöne Kindheit“, erzählt Yong Woong Yo. „Naomi Middaugh ermutigte mich sehr. Sie übte keinen Druck aus und wollte, dass ich studiere, was immer ich wollte“, erinnert er sich. „Als ich beschloss, Veterinärmedizin zu studieren, wusste sie nicht viel darüber. Aber das machte nichts. Sie spornte mich immer an. Ich zahlte meine Studiengebühren selbst, aber sie schickte manchmal Geld.“

Heute ist Yong Woong Jo ein ehemaliger Veterinär, Dozent und Unternehmer. Der quirlige Koreaner steckt voller Energie, er hat viel erreicht in seinem Leben. Für ihn hat das auch etwas mit den Briefen und Bändern von Mrs. Middaugh zu tun.

Unterstützung für Kinder weltweit
Das Beispiel aus dem Koreakrieg zeigt, dass sich humanitäre Organisationen damals wie heute auf verschiedene Weise einsetzen können, um Unterstützung für Notleidende in Krisensituationen zu leisten. „Uns ist es vor allem ein Anliegen, dass Kinder in keiner Krise, egal, wie diese aussehen mag, schutzlos und allein sind“, erklärt Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland. Mit diesem Ansatz unterstützte Save the Children auch nach dem Zweiten Weltkrieg notleidende Kinder. Heute berichten diese als Erwachsene, wie Save the Children ihnen geholfen hat.

Vor 75 Jahren: Zeitzeugen aus dem 2. Weltkrieg berichten, wie sie mit Save the Children überlebt haben
Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in Zusammenarbeit mit dem Schwedischen Roten Kreuz die sogenannten Schwedenspeisungen ins Leben gerufen, die zahlreiche Kinder vor dem Verhungern bewahrten. Dadurch bekamen Kinder zwischen drei und sechs Jahren mindestens eine warme Mahlzeit pro Tag. „Meine Tante konnte die Leute vor Ort überreden, dass ich auch eine Mahlzeit bekomme. Eigentlich durfte man das erst, wenn man bereits in der Schule war. Aber da ich schon selbstständig essen konnte, hat man mich doch mit reingelassen“, erinnert sich Heidrun Christ (Jahrgang 1945, Berlin). In der Regel gab es eine dicke Suppe mit Fleisch oder eine Milchsuppe. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich 1946 oder 1947 als jüngstes von vier Kindern zum ersten Mal in den Genuss der ‚Schwedenspeisung‘ kam“, erzählt Dr. Hans-Joachim Pohl (Jahrgang 1942, Berlin).

„Als ich nach Hause kam und gefragt wurde, was es zu essen gab, antwortete ich: ,Weiß ich nicht mit viel Fleisch.‘ Diese präzise Antwort wurde zum geflügelten Wort in der Familie.“ Vor einer Schwedenspeisung bekamen die Kinder einen Löffel Lebertran. Dieser sollte gegen Rachitis helfen, einer Knochenunterentwicklung, unter der viele Kinder aufgrund von Unterernährung nach dem Krieg litten. „Dann hieß es: Mund auf, Nase zu, Lebertran rein“, erinnert sich Dagmar Wendorff (Jahrgang 1941, Berlin).

Fotoprojekt „Ich lebe“
Yong Woong Jos Geschichte ist Teil des von Save the Children initiierten internationalen Fotoprojekts „Ich lebe“. Der Südkoreaner gehört zu insgesamt elf Menschen, die der Fotograf Dominic Nahr und die Journalistin Anna Mayumi Kerber im 100. Jubiläumsjahr von Save the Children porträtierten. Alle Personen eint, dass sie als Kind einen Krieg erlebten und Hilfe durch die Kinderrechtsorganisation Save the Children erfahren haben. Es sind Schicksale von den Hungersnöten des Ersten und Zweiten Weltkriegs bis zum Aufwachsen im Flüchtlingscamp der Rohingya in Bangladesch. Zusammen ergeben sie ein eindringliches Plädoyer für Menschlichkeit und ermutigen uns, auch künftig Kinder in Kriegen zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen.

Foto: Dominic Nahr / Save The Children

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