Über 1000 Jahre altes Bauholz gefunden

Werbung

Köln. Der Westbau von St. Pantaleon ist ein beeindruckendes Zeugnis frühmittelalterlicher Architektur, das die Forschung immer wieder beschäftigt. Derzeit wird das Bauwerk aufwändig saniert und das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland (LVR-ADR) führt eine begleitende Bauuntersuchung durch. Dabei kam ein überraschender Fund zutage: In der Marienkapelle sind unter dem Verputz eines Gewölbes Reste von originalen Bauhölzern entdeckt worden, die zu einem mittelalterlichen Baugerüst gehörten.Bisher galt das Gewölbe als nachträglich eingezogen, aber die Hölzer und die gesamte Bautechnik bezeugen, dass es zum originalen mittelalterlichen Baubestand gehört. Das mächtige Gewölbe ist aus großen Tuffsteinen gemauert. Auch römische Quader wurden „recycelt“ und mit verbaut. Die Bauleute errichteten zunächst eine hölzerne Hilfskonstruktion mit einer Bretter-Verschalung, die das Gewölbe stützte, solange der Mörtel noch nicht fest war. Die Schalbretter aus Eichenholz waren zwischen der Gewölbedecke und der Wand fest eingemauert, damit sie die schwere Last tragen konnten. Die hölzerne Schalung wurde wieder entfernt, sobald der Mörtel erhärtet und das Gewölbe tragfähig war. Doch dabei blieben Reste der Bretter in der Wand stecken.

„Nur selten finden sich noch solche Spuren von hölzernen Hilfskonstruktionen, daher ist der Fund in St. Pantaleon höchst außergewöhnlich. Er gibt Aufschluss über die mittelalterliche Bautechnik und er verrät uns, wie alt das Gewölbe ist. Zwei Holzproben wurden zur Radiocarbonuntersuchung in das Leibniz-Labor für Altersbestimmung und Isotopenforschung der Universität Kiel geschickt. Anhand des Zerfalls von Kohlenstoff-Isotopen konnte das Alter des organischen Materials bestimmt werden. Das Ergebnis ordnet die Hölzer in einen Zeitraum zwischen 892 und 992 ein. Sie sind also über 1.000 Jahre alt“, erklärt Dr. Ulrike Heckner, Leiterin der Abteilung Dokumentation und Bauforschung beim LVR-ADR. Ulrike Heckner hatte die Hölzer entdeckt.

Die neue Holz-Datierung bestätigt die überlieferte Baugeschichte von St. Pantaleon. Die historischen Quellen berichten über eine Grundsteinlegung 964 zur Vergrößerung des Kirchenbaus, wozu der 965 gestorbene Erzbischof Brun in seinem Testament die beachtliche Summe von 300 Pfund zur Verfügung gestellt hatte. Auch Kaiserin Theophanu, die 991 in der Kirche begraben wurde, bedachte Pantaleon mit reichen Schenkungen. Eine Datierung des Westbaus in diese Zeit wurde jedoch aus stilistischen Gründen in der kunsthistorischen Forschung zuletzt oft angezweifelt. Zu fortschrittlich erschienen die Bauformen, daher wurde eine Entstehung im 11. Jahrhundert, meist um 1020/30, angenommen. Das ist nach den Ergebnissen der Holzdatierung jedoch sehr unwahrscheinlich geworden. Die Holzdatierung bekräftigt dagegen die Einordnung des Westbaus von St. Pantaleon als ein außergewöhnliches Werk der ottonischen Baukunst in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts, in der Zeit von Erzbischof Brun und Kaiserin Theophanu. Bauuntersuchung und 3D-Vermessung des Gewölbes werden wichtige neue Aufschlüsse über die Entwicklung und Ausführung des frühmittelalterlichen Gewölbebaus ergeben, über die Baukonstruktion und Technik, über Lehrgerüste und Geometrie. Die eher unscheinbaren Holzreste sind unmittelbare Zeugnisse der Bauabläufe von vor über 1.000 Jahren, und es ist ein ungeahnter Glücksfall, dass sie sich bis in die heutige Zeit erhalten haben.

Dr. Ulrike Heckner (LVR) zeigt die Überreste des mehr als 1000 Jahre alten Bauholzes im Deckengewölbe der Marienkapelle in St. Pantaleon Köln (Foto: LVR/ Amt für Denkmalpflege im Rheinland)

Werbung