Tückische Anglizismen: Polit-Schlacht des Jugendrats

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Ratingen. Im Hinblick auf die bevorstehende Kommunalwahl führt der Jugendrat eine Wahlinformationsveranstaltung für junge Wähler durch. Am Dienstag, 8. September, treffen von 12 bis 14 Uhr die sieben Ratinger Bürgermeisterkandidaten in der Stadthalle aufeinander und stellen sich den kritischen Fragen eines jungen Moderatorenteams.

Bedingt durch die Corona-Krise, läuft der Polit-„Battle“ diesmal etwas anders ab, als von früheren Wahlen gewohnt. Zusätzlich zu den 360 in der Stadthalle zugelassenen Schülern gibt es eine Übertragung auf Facebook, Instagram und YouTube.

„Uns ist es wichtig, trotz der besonderen Umstände eine Erstwählerveranstaltung auf die Beine zu stellen, damit sich jeder junge Mensch eine eigene Meinung über die Kandidaten bilden kann und er nach dem Polit-Battle einen Plan hat, wem er seine Stimme geben möchte“, sagt die Polit-Battle-Sprecherin Josephine Hänsel.

„Im Polit-Battle kommen nur Themen zur Sprache, die für junge Menschen wichtig und interessant sind. Dafür haben Jugendratsmitglieder im Freundeskreis und in der Schule nachgefragt, welche Anliegen ihnen besonders am Herzen liegen“, so Leon De Lasberg, Mitglied im Organisationsteam.

Die Moderation übernimmt Lucas Thieme, ehemaliger Sprecher des Jugendparlaments Hilden und des Kinder- und Jugendrates NRW. Er wird unterstützt durch Nele Roß und Philippe Todt. Beide waren von 2017 bis 2019 im Sprecherteam des Ratinger Jugendrates.

Kommentar:
Bürgermeister ziehen nicht in die Schlacht
Keine Frage, die Veranstaltung des Jugendrates für die jungen Wähler ist löblich. Schade, dass der Jugendrat dabei auf Kriegsrhetorik zurückgreift. Das englische Wort „battle“ meint die Schlacht im Krieg. Nicht besser ist die weitere Formulierung in der vorgeschlagenen Überschrift in der Pressemitteilung des Jugendrates: Die Politiker sollen in den Ring geschickt werden. Im Boxring trägt man seinen Wettkampf allerdings mit Gewalt aus, wenn auch nach sportlichen Regeln.

Deutsche Kommunalpolitiker aber ziehen weder in den Krieg noch schlagen sie mit den Fäusten auf den politischen Gegner ein. Sie kümmern sich zum Beispiel um eine bessere digitale Ausstattung der Schulen. Da mögen sie je nach Parteizugehörigkeit unterschiedlicher Meinung sein, was sinnvoll ist und was bezahlt werden kann. Aber eine Schlacht findet im Ratssaal nicht statt.

Dort werden friedlich Meinungen ausgetauscht und es wird nach Lösungen gesucht, denen die Mehrheit der Ratsmitglieder zustimmen kann. So geht Politik, auch wenn es manchmal vielleicht länger dauert, als dem Gegner die Keule über den Kopf zu ziehen.

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