Tragödchen: Raumpatrouille Deutsche Einheit

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Ratingen. Am Montag, 3. Oktober, präsentiert das Tragödchen-Ensemble ab 11 Uhr eine musikalisch-literarische Matinée zum Tag der Deutschen Einheit. Susanne Cano und Bernhard Schultz lesen aus den Bestsellern „Unterleuten“ von Julie Zeh und „Raumpatrouille“ von Matthias Brandt. Die Tragödchen-Feier zum Tag der Deutschen Einheit findet statt im Buch-Café „Peter und Paula“, Grütstraße 3-7.

Das Tragödchen-Quartett Schultz, Pungs, Schultz und Wipf spielt passend dazu „deutsches Liedgut“ von Franz-Josef Degenhardt, Hannes Wader, Klaus Hoffmann, Udo Lindenberg, Reinhard Mey, Konstantin Wecker, Ludwig Hirsch, Dota Kehr, Ulla Meinecke und Hermann van Veen.

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf ‚Unterleuten‘ irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtlinge aus Berlin gerne kaufen, um sich den Traum von einem unschuldigen und unverdorbenen Leben außerhalb der Hauptstadthektik zu erfüllen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Denn da ist nicht nur der Gegensatz zwischen den neu zugezogenen Berliner Aussteigern, die mit großstädtischer Selbstgerechtigkeit und Arroganz und wenig Sensibilität in sämtliche Fettnäpfchen der Provinz treten. Da ist auch der nach wie vor untergründig schwelende Konflikt zwischen Wendegewinnern und Wendeverlierern. Kein Wunder, dass im Dorf schon bald die Hölle los ist.

Die Geschichten in Matthias Brandts erstem Buch sind literarische Reisen in einen Kosmos, den jeder kennt, der aber hier mit einem ganz besonderen Blick untersucht wird: der Kosmos der eigenen Kindheit. In diesem Fall einer Kindheit in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts in einer kleinen Stadt am Rhein, die damals Bundeshauptstadt war. Einer Kindheit, die bevölkert ist von einem manchmal bissigen Hund namens Gabor, von Herrn Vianden, dem mysteriösen Postboten, verschreckten Nonnen, kriegsbeschädigten Religionslehrern, einem netten Herrn Lübke von nebenan, bei dem es Kakao gibt und dem langsam die Worte ausgehen. Es gibt einen kauzigen Arbeitskollegen des Vaters, Herrn Wehner, einen Hausmeister und sogar einen Chauffeur, da der Vater gerade Bundeskanzler ist.

Foto: privat

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