Tiere sind für viele nur noch ein Konsumgut

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Ratingen/Düsseldorf (sw). Schmerzen beim Laufen, abgegeben und verstoßen. Hundewelpe Hope hat ein Handicap, denn seine Vorderbeine haben sich nicht richtig entwickelt. Der Welpe stammt aus einer privaten Vermehrung einer mittellosen Familie, welche durch den Verkauf von Welpen schnelles Geld gewinnen wollte. Das Ergebnis: Einer der vier Welpen, Hope, kam mit verkrüppelten Vorderbeinen zur Welt. Wegen Überforderung wurde sie nun von der Familie ans Tierheim abgegeben. 

„Tiere sind für viele nur noch ein Konsumgut.“

Tierheimleiter Timo Franzen

Das Geschäft mit Hundewelpen ist beliebt, doch es ist alles andere als gut. Wegen Überforderung oder falschen Papieren landen die Hunde oft im Heim oder werden verstoßen, wie Hündin Hope. Durch Corona ist der Welpenhandel zu einem noch größeren Problem geworden. 

Zu horrenden Preisen wurden Hunde im Internet angeboten und verkauft. Und das Geschäft lief gut, denn: „Viele Leute haben sich ein Tier zugelegt, da Sie sich dachten: wenn nicht jetzt, wann dann“, erklärt Timo Franzen, Leiter des Tierheims in Düsseldorf.

Doch der Hundehandel ist nicht das einzige Problem: Im Homeoffice hatten viele die Zeit, sich einen Hund zuzulegen und ihn einzugewöhnen. Doch langsam geht das normale Berufsleben wieder los, der Hund kann nicht alleine Zuhause sitzen und im Büro ist er auch oft nicht erwünscht.

„Die Idee eines Haustieres wurde nicht zuende gedacht“, stellt Franzen klar. Neben dem zeitlichen Aufwand kommt ebenfalls der finanzielle hinzu, denn neben Futter und Haltungskosten ist auch der Tierarztbesuch ein Muss und wird von vielen unterschätzt.

Franzen erklärt: „Die Gesellschaft ist inzwischen an dem Punkt, wo Tiere für viele nur noch ein Konsumgut sind. Die Leute denken sich: Ich bin alleine, ich will jetzt Gesellschaft. Und dann kommt eben ein Hund oder eine Katze ins Haus. Wenn der Bedarf nicht mehr vorhanden ist, weil ich mich wieder abends im Biergarten treffen darf, dann muss das Tier wieder weg.“

Dadurch kommt es zu überfüllten Tierheimen, etwas, was in letzter Zeit oft in den Medien zu lesen war. Im Düsseldorfer Tierheim hat Timo Franzen diese Erfahrung, dass nun mehr Hunde wegen der Corona-Lockerungen abgegeben werden, nicht direkt gemacht, aber viele Hunde wurden auch hier wegen schlechter oder illegaler Haltung sichergestellt.

Doch was kann man ändern? Timo Franzen fordert eine Änderung der Gesetzgebung. „Die Leute dürfen nicht mehr so einfach an die Tiere rankommen“, erklärt er. Außerdem sollten wir uns persönlich gut auseinandersetzen, wenn wir uns ein Tier zulegen möchten. Habe ich jetzt und in Zukunft Zeit, mich darum zu kümmern? Was mache ich, wenn ich in den Urlaub fahre? Habe ich die finanziellen Ressourcen? 

Es gibt trotzdem auch positives zu berichten: Die Geschichte von Hündin Hope wurde erst kürzlich veröffentlicht und schon innerhalb von drei Tagen wurden über 2000 Euro gesammelt, damit der Hündin mithilfe von sogenannten Orthesen zum Laufen verhelfen werden kann. Die Spendenbereitschaft ist hoch. Timo Franzen schließt daraus: „Viele Leute haben eben doch noch ein Herz für Tiere.“

Hündin Hope im Tierheim (Foto: privat)

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