Spannende Lebensgeschichten aus Lintorf und Ratingen

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Lintorf. Obwohl im Sitzungssaal des alten Rathauses am Dienstagabend eine Temperatur wie in der Sauna herrschte, lauschten die knapp 30 Heimatfreunde dem spannenden Vortrag von Barbara Lüdecke. Die Vorsitzende des Vereins Lintorfer Heimatfreunde (VLH) berichtete über die Ergebnisse ihrer Familienforschung in zahlreichen Archiven in ganz Europa. Viele Geschichten von Lintorfern und Ratingern entdeckte sie dabei in den vergangenen drei Jahrzehnten fast nebenbei.

Eine Geschichte hat mit dem alten Grabstein an der Südseite der Annakirche zu tun. „Ich wollte etwas über Dam Heintges wissen, der auf dem Grabstein genannt wird“, berichtete Lüdecke. Also fragte sie vor acht Jahren beim Heimatverein, ob es etwas über den Mann in der Quecke gebe. Weil es nichts gab, füllte sie einen Mitgliedsantrag aus. Sechs Jahre später wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins gewählt.

Sie erzählte von einem Lintorfer Jungen, dessen krankes Bein der Ratinger Scharfrichter amputierte. Der Wundarzt hatte dies dem Presbyterium der evangelischen Gemeinde vorgeschlagen. Da die Familie des Jungen den Arzt nicht bezahlen konnte, übernahm die Kirchengemeinde die Kosten. Sie verschaffte ihm sogar eine Lehrstelle bei einem Schneider. Der Junge verstarb allerdings zwei Jahre nach der Amputation.

Der Lintorfer Lehrer Lambertz musste sich einer peinlichen Anschuldigung erwehren. Der Stiefvater von Gertrud Mentzen beschuldigte ihn bei der Polizei des liederlichen Umgangs mit seiner Stieftochter. Er habe den Lehrer alleine im Zimmer mit der Stieftochter erwischt, schreibt er der Polizei, und ordentlich verprügelt. Lambertz erklärt, dass er Gertrud heiraten wolle und das mit der Mutter auch schon besprochen habe. An dem besagten Abend sei er nur kurz in Gertruds Zimmer gewesen. Nicht heimlich, wie der Stiefvater behauptete, sondern mit dem Wissen einer Magd. Zwar wird dem Lehrer geglaubt, trotzdem wird er drei Jahre später versetzt.

Bürgermeister Baasel muss sich mit dem Teufel auf dem Broichhof in Ratingen beschäftigen. Die Geschichten vom Leibhaftigen, der auf dem Hof gesehen worden sein sollte, lockte Neugierige aus der ganzen Umgebung nach Ratingen. Der Bürgermeister wollte sogar den Hof von Polizei sichern lassen, damit keine Fremden ihn betreten konnten. Was aus dieser Idee geworden ist, konnte Lüdecke leider nicht recherchieren.

Die Zuhörer beim Vortrag im alten Lintorfer Rathaus waren jedenfalls begeistert von den detaillierten Schilderungen und davon, wie weit es Lintorfer in die Welt hinausgetragen hat. Lüdecke berichtete von Lintorfern, die mit der Niederländischen Ostindien-Kompanie nach Indonesien kamen, von Verwandten des Dam Heintges in den Niederlanden und von Lintorfern, die zu den ersten Siedlern am Ende des 17. Jahrhunderts in der Neuen Welt gehörten.

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