Sonderausstellung: Die Körper der SS

Werbung

Düsseldorf. „Die Körper der SS. Ideologie, Propaganda und Gewalt“ heißt die neue Sonderausstellung, die ab sofort bis Sonntag, 27. Januar 2019, in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, zu sehen ist. Die Ausstellung des Kreismuseums Wewelsburg schildert nicht Daten und Zahlen zur Schutzstaffel (SS) und ihren Unterorganisationen. Vielmehr nimmt sie auf 47 Wandtafeln und anhand zahlreicher digitaler und realer Objekte das Gedankengut des „Schwarzen Ordens“, seine handlungsleitende Ideologie und deren gesamtgesellschaftliche Konsequenzen in den Blick.

Die SS verstand sich als Elite der nationalsozialistischen Bewegung und des gesamten deutschen Volkes. Ihr Anspruch einer „züchterischen“ Aufgabe bezog sich einerseits auf die Auswahl ihrer Mitglieder, andererseits auf die „Ausmerze“ all derer, die eines deutschen Volkes nordischer Rasse nicht würdig seien. Elitegedanken und Vernichtungswille paarten sich in diesem Anspruch auf verheerende Weise.

Die Ideologie und Propaganda des Nationalsozialismus im Allgemeinen, noch stärker aber die Selbstinszenierung der SS war geprägt von Körperidealen und Körperbildern. Die SS sollte in körperlicher Hinsicht ebenso wie in ihrer geistigen Verfassung „hart“ und „stark“, soldatisch und kriegerisch sein. Athletische, aufrechte und große Körper, unbestritten „arische“ Abstammung, „nordische“ Physiognomie – das waren Kriterien, die ein SS-Mann in der sogenannten Rassemusterung ab 1934 nachweisen sollte. Auch die Partnerinnen von SS-Männern wurden einer „rassischen“ Auswahl unterworfen: Ihre Aufgabe war es, dem „nordischen Neuadel“, nach „rassischen“ Kriterien wertvolle Kinder zu gebären. Nur nach entsprechender Begutachtung wurde eine Hochzeit von den SS-Stellen genehmigt.

Neben den Kult der „rassischen Auslese“ trat die brutale Herabwürdigung und Tötung all derer, die von den Nationalsozialisten als Gegner des Regimes klassifiziert wurden. Propagandistische Abbildungen zeigten körperliche Merkmale, die Minderwertigkeit und fehlende Charakterstärke belegen sollten.

„Die Wanderausstellung des Kreismuseums Wewelsburg stellt dieses Spannungsfeld von Propaganda und Gewalt, Selbstverständnis und ‚Ausmerze‘ ausführlich dar“, erklärt Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte. „Sie nimmt zunächst die Ursprünge und Grundlagen nationalsozialistischer Körperbilder in den Blick, um dann das darüber hinausgehende Verständnis der SS und die Nachwirkung solch körperbetonter Ideologie in die rechte Szene der Gegenwart zu präsentieren.“

Während der Ausstellungslaufzeit gibt es öffentliche und kostenfreie Abendführungen am Donnerstag, 18. Oktober, und Mittwoch, 5. Dezember, sowie Donnerstag, 10. Januar 2019, jeweils um 19 Uhr. Der Vortrag von Fleermann zum Thema „Die SS in Düsseldorf: Elitebewusstsein – Ordenskult – Verbrechen“ wird entgegen bisheriger Ankündigungen auf Dienstag, 16. Oktober, 19 Uhr verschoben. Eine Einführung in die Ausstellung für Lehrkräfte am Dienstag, 9. Oktober, wird methodische Zugänge zum Thema für Schüler ab der zehnten Klasse aufzeigen. Individuelle Führungen durch die Sonderausstellung sind möglich, Telefon 0211/8996205.

Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei. Die Räumlichkeiten der Mahn- und Gedenkstätte sind bis auf den historischen Luftschutzkeller barrierefrei. Die Mahn- und Gedenkstätte ist dienstags bis freitags und sonntags von 11 bis 17 Uhr sowie samstags von 13 bis 17 Uhr geöffnet.

Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Werbung