Schulstart nach fünf Monaten „Pause“

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Ratingen (SW). Sechs Uhr am Morgen. Mein Wecker klingelt mich aus dem Schlaf. Am liebsten würde ich mich noch einmal rumdrehen, aber ich weiß, dass das ab jetzt nicht mehr geht. Mein Bauch kribbelt, wenn ich daran denke, was heute vor mir liegt. Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich nun wieder richtig in die Schule gehe.

In ganz Nordrhein-Westfalen startet in den Schulen der Präsenzunterricht, wenn auch mit einigen Einschränkungen und vielen Hygieneregeln. Als ich zur Schule fahre, schwingt eine gewisse Unsicherheit mit. Ella*, eine Schülerin der Jahrgangsstufe elf, findet: „Es ist komisch, weil der Ablauf irgendwie anders ist.“ Zwar wurde uns im Vorfeld alles erklärt, doch wie genau die Regeln und Änderungen sich nun auf unseren Schulalltag auswirken, kann ich mir immer noch schwer vorstellen.

Aber die Unsicherheit weicht schnell der Freude, als ich vor der Schule meine Freunde wiedersehe. Durch das sogenannte „Homeschooling“ haben wir uns lange nicht getroffen und natürlich gibt es einiges zu erzählen. Vanessa* aus der zwölften Klasse erklärt mir: „Ich habe mich riesig auf den Schulalltag gefreut. Auf meine Freunde, die Fächer, und auch auf manche Lehrer. Man hat schon den Austausch vermisst, den man im Unterricht hat und die Atmosphäre war auch einfach eine ganz andere.“

Dann beginnt der Unterricht. Ich bin in der Oberstufe und habe deshalb zehn Minuten später Schule als die Sekundarstufe eins. Generell ist die Stundentaktung etwas verschoben, da an unserer Schule die Pausen mit in den Unterricht integriert wurden. Vanessa* ergänzt: „Man muss sich daran gewöhnen, wieder pünktlich um sechs Uhr aufzustehen. Ein alter, aber irgendwie auch normaler Rythmus.“

Im Unterricht sitzen wir wieder nebeneinander, jedoch mit einem Mund-Nasen-Schutz. „Die Maske ist wichtig, was aber nicht heißt, dass man sie super finden muss“, so Lara*.

Auch die Fenster und Türen bleiben offen, wobei wir in unserer ersten Leistungskursstunde dadurch erst einmal viel Lärm akzeptieren müssen.

Obwohl wir jetzt seit circa fünf Monaten keinen „normalen“ Schultag mehr hatten, finde ich schnell wieder in den Alltag zurück. Auch die Lehrer nehmen den Unterricht wieder auf, wie sonst auch nach den Sommerferien. Themen werden kurz wiederholt, dann geht es mit neuem Stoff weiter.

Nach der Schule fahre ich mit dem Bus und einigen Hausaufgaben in der Tasche wieder nach Hause. Spätestens hier komme ich fast vollkommen in der „Normalität“ an, denn die Busse sind so voll wie immer. Dicht an dicht stehen wir da, nur die Mund-Nasen-Bedeckung zeigt, dass etwas anders ist als sonst.

Ob sich der Schullalltag nun weiter Richtung Normalität entwickelt oder ob wir doch wieder zurück ins „Homeschooling“ müssen, bleibt vorest abzuwarten.

*Namen geändert

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