Schützenchef: Bruderschaft ist gemeinnützig!

Werbung

Lintorf. Ein Urteil des Bundesfinanzhofes sorgt bei Schützenvereinen in Deutschland für Unruhe. Das Urteil sieht die Gemeinnützigkeit der Vereine gefährdet, wenn sie keine Frauen aufnehmen. Die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Lintorf 1464 hat gerade in ihrer neuen Satzung beschlossen, weiterhin ein reiner Männerverein zu bleiben. „Ich verstehe das Urteil nicht“, sagt Schützenchef Andreas Preuß auf Nachfrage des Lintorfers. „Fast alle unsere Veranstaltungen sind öffentlich, jeder kann zur Kirmes und ins Schützenzelt kommen, jeder ist am Möschesonntag oder an Fronleichnam bei uns willkommen.“ Einzig die Mitgliederversammlung zum Titularfest sei eine reine Männerangelegenheit.

Das große Schützen- und Volksfest an diesem Wochenende veranstalte die Bruderschaft seit bald sieben Jahrzehnten für alle Lintorfer. „Wir stellen dieses Fest für die Allgemeinheit auf die Beine“, sagt Preuß. Auch das große Feuerwerk am Samstagabend dürfe sich jeder anschauen, gleich welchen Geschlechts oder Glaubens. Ob das etwa nicht gemeinnützig sei, möchte er von den Richterinnen und Richtern des Bundesfinanzhofes wissen.

Er führt als weiteres Beispiel den Seniorennachmittag am Samstag im Schützenzelt an. „Von den rund 300 Senioren sind vermutlich 90 Prozent Frauen“, erklärt der Schützenchef. „Vielleicht ist der Nachmittag aber nicht gemeinnützig“, spekuliert Preuß, „weil nur Senioren ab 70 eingeladen sind.“

Die Bruderschaft habe in den vergangenen Jahren die Aufnahme von Frauen diskutiert, sagt Andreas Preuß. Eine deutliche Mehrheit der Mitglieder habe sich aber dagegen entschieden. „Mindestens seit der Wiederbegründung der Bruderschaft in 1890er Jahren sind wir ein reiner Männerverein“, erklärt der Schützenchef. Tatsächlich seien außer den weiblichen Gründungsmitgliedern von 1464 keine Frauen als Mitglieder der Bruderschaft bekannt. „Das hat über 500 Jahre anscheinend niemanden gestört und fehlende Gemeinnützigkeit hat bis vor wenigen Jahren auch niemand gesehen“, so Preuß. Vielleicht sollten die Richter einmal darüber nachdenken, dass Gemeinnützigkeit nichts mit dem Geschlecht der Vereinsmitglieder zu tun habe sondern eher mit deren sozialem Engagement für die Allgemeinheit.

 

Werbung

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.