Schauspiel: Ist Yamila ein Engel?

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Essen. Bereits vier Preisträger konnten die Essener Autorentagen „Stück auf!“ hervorbringen: Nach Hartmut Musewald, Katja Wachter und Henriette Dushe hat im vergangenen Jahr die Schweizerin Martina Clavadetscher diesen Dramatiker-Wettbewerb gewonnen. Mit ihrem Stück „Umständliche Rettung“ konnte sie die fünfköpfige Fachjury überzeugten: „Umständliche Rettung“ ist eine mythische, merkwürdige Geschichte. Martina Clavadetscher erzählt auf der Basis biblischer Motive von einer nahen Apokalypse, vom Verlangen nach Erlösung, Rettung und Gerechtigkeit. Der Text hat Gefühl, Humor und Momente großer poetischer Schönheit und Widerständigkeit. Sie spielt lustvoll mit der Chronologie, macht das Erzählen selbst zum Thema und schafft einen ganz eigenen Zauber. Die Uraufführung ist am Freitag, 28. April, ab 19 Uhr in der Casa des Schauspiel Essen.

Die Mikrobiologin Yamila Hanna Bach reist zu Forschungszwecken nach Sodiryia, eine Stadt jenseits des Jordans, die freudig Konsumgüter verschlingt und im Abfall erstickt. Während Yamila sorgfältig ihrer Arbeit nachgeht, Bodenproben sammelt und nach Berlin schickt, geschehen immer wieder rätselhafte Dinge. Dazu zählen ihre Begegnungen mit El-Arad, der an einem Tag Fleischer, am nächsten Schnaps­verkäufer und am übernächsten Pilot von Kleinflugzeugen ist und mit dem sie zu guter Letzt gemeinsam in einer Vorabendserie auftaucht. Was geht hier vor sich? Und schon findet sich Yamila in einem Verhör wieder. Dem Untersuchungsrichter hilft Baganja, El-Arads Nachbarin, auf die Sprünge: Yamila ist ganz offensichtlich ein Engel – und zwar nicht irgendeiner, sondern der von den alten Überlieferungen angekündigte! Und scheinbar will sie El-Arad vor dem drohenden Untergang der Stadt retten. Das ist nach Baganjas Ansicht aus gleich zwei Gründen unfair: Erstens ist El-Arad kein guter Mensch und zweitens lebt er in ihrer Wohnung, seit ihr Vermieter sie dort rausgeschmissen hat. Ganz klar: Der Engel muss sich in der Adresse geirrt haben. Die Rettung steht Baganja zu! Und dieses Verhör ist ihre einzige Chance. Yamila selbst weiß überhaupt nicht, was alle von ihr wollen: Sie ist kein Engel und retten will sie auch niemanden! Überhaupt scheint es sehr fragwürdig, wer hier ein Recht auf Rettung hat.

Mit viel Humor und Poesie adaptiert Martina Clavadetscher in ihrem 2016 ausgezeichneten Theaterstück den biblischen Mythos von Lots Errettung aus den untergehenden Städten Sodom und Gomorrha. Regie bei dieser Inszenierung, die durch eine Privatspende von Marianne Kaimer gefördert wird, führt Thomas Ladwig. Es spielen Jaëla Carlina Probst, Jan Pröhl, Silvia Weiskopf (Yamila) und Jens Winterstein. Bühne und Kostüme: Martina Stoian; Dramaturgie: Vera Ring.

Der Eintritt kostet zwischen 19 Euro. Kartenvorverkauf unter Telefon 0201/81 22-200, oder im Internet.

Foto: sputnic – visual arts

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