Saale-Unstrut: Auf den Spuren von Salz und Kohle

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Naumburg. Salz und Kohle: Jahrhundertelang haben diese beiden Rohstoffe Menschen und Landschaft in Saale-Unstrut geprägt. Im Mittelalter begannen die Einwohner der heutigen Kurstädte Sole zu Speisesalz zu sieden. Bis heute schätzen Menschen auch die heilsame Wirkung der Sole für Haut und Atemwege. Das Geiseltal war eines der bedeutendsten Bergbaugebiete in Deutschland. Jetzt suchen Einheimische und Touristen am Geiseltalsee, einem ehemaligen Tagebaurestloch, Erholung.

Von der Salzgewinnung zur Heilkraft der Sole

In weiße Mäntel gehüllt gehen Kurgäste in diesen frühlingshaften Tagen wieder öfter durch Saale-Unstruts Gradierwerke. Sole, eine wässrige Lösung von Salzen, rinnt hier über große, mit Schwarzdornbündeln gefüllte Holzgerüste. Die salzhaltige Luft, die sie einatmen, erinnert an einen Spaziergang an der Nordsee. Schon im 19. Jahrhundert sorgte die Heilwirkung der Sole in den Kurstädten Bad Sulza, Bad Kösen und Bad Dürrenberg für Aufschwung. Ursprünglich waren die Gradierwerke Teil des Salzgewinnungsprozesses, indem Sole aus den Quellen über die Schwarzdornbündel rieselte und verdunstete. Das konzentrierte Salzwasser wurde in großen Pfannen erhitzt bis das Salz auskristallisierte.

Die erste Salzsiedeeinrichtung gab es in Bad Sulza schon im 11.

Jahrhundert. Aber erst Mitte des 16. Jahrhunderts schlossen sich mehrere Gewerke zusammen, um das erste große Salzwerk zu gründen. Das Gradierwerk Louise mit der Zerstäuberhalle und das Saline- und Heimatmuseum erinnern an die Geschichte der Salzproduktion. Die lange Kurtradition zeigt sich im historischen Kurpark mit restaurierter Trinkhalle und Musikmuschel.

Vielfältige Anwendungen für Sole

Im 18. Jahrhundert leitete der Dresdener Ingenieur Johann Gottfried Borlach, beauftragt von August dem Starken, den Aufbau eines Salzwerkes in Bad Kösen. Die Salzgewinnung lieferte wichtige Arbeitsplätze für die Region. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Sole nur noch für Bäder gefördert. Bis heute spielt sie im modernen Therapiezentrum im Ort eine wichtige Rolle für das Thermalsolebad, das Soledampfbad und die Salzgrotte.

Auch in Bad Dürrenberg bohrte Johann Gottfried Borlach nach Solequellen.

Mitte des 18. Jahrhunderts stieß er in über 200 Metern Tiefe auf eine Quelle. Die Entdeckung machte aus dem unbedeutenden Ort einen wichtigen Standort kursächsischer Salzproduktion. Die Qualität des Salzes war so hoch, dass es die Dürrenberger bis Westafrika exportierten. Das und weitere Anekdoten erfahren Besucher bei einer Führung der Touristinformation und im Borlach-Museum. Mit rund 700 Meter Länge steht in Bad Dürrenberg das größte zusammenhängende Gradierwerk in Europa. Es ist Teil der europäischen Route der Industriekultur.

Von der Kohlegewinnung zum Freizeitparadies

Fast 300 Jahre lang bestimmte der Bergbau im Geiseltal das Leben der Menschen. Noch bis 1993 lärmten hier Schaufelradbagger und fuhren Kohlezüge Tag und Nacht. Rund 12.500 Einwohner mussten für den Braunkohleabbau ihr Zuhause verlassen, mehr als ein Dutzend Orte verschwand. Die Region zählte zu den bedeutendsten Bergbaugebieten in Deutschland und bot tausende Arbeitsplätze. Das große Braunkohlevorkommen zog auch Chemiefirmen an. Es entstand das Ammoniakwerk Merseburg in Leuna. Die Buna-Werke in Schkopau stellten synthetischen Kautschuk her, die Wintershall AG in Lützkendorf synthetisches Benzin.

Doch zur Wende war das Braunkohlevorkommen erschöpft. Nach der Sanierung flutete die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft das Tagebaurestloch im Jahr 2003 mit Wasser aus der Saale. Es entstand der größte künstliche See Deutschlands und mit ihm ein Natur- und

Freizeitparadies: der Geiseltalsee. Bei Radfahrern, Wanderern, Wassersportlern und Badegästen ist er sehr beliebt. Geschichtsinteressierte erhalten in der Zentralwerkstatt Pfännerhall, in der einst Brikettmaschinen und Lokomotiven repariert wurden, einen Einblick in die Sanierung und Rekultivierung der ehemaligen Bergbaulandschaft.

Aktiven Tagebau erleben

Empfehlenswert ist auch der Besuch im 40 Kilometer entfernten noch aktiven Tagebau Profen. Vom Aussichtspunkt am Tagebaurand können Besucher Schaufelrad-, Löffel- und Eimerkettenbagger beobachten und erhalten auf Schautafeln Informationen zum Abbau und zum Umweltschutz.

In Zeitz steht der letzte Zeuge der einstigen Braunkohlenveredelung in

Mitteldeutschland: der Herrmannschacht, die älteste erhaltene Brikettfabrik der Welt. Sie war von 1889 bis 1959 in Betrieb und steht schon seit 1961 unter Denkmalschutz. In einer Führung können Gäste den noch erhaltenen Original-Maschinenbestand besichtigen, sich im echten Braunkohlenwald über die Pflanzenarten informieren und in der Ofenausstellung das ein oder andere „Schätzchen“ wiederentdecken.

Reiseinformationen

Wichtigstes Tourismusportal für die Region Saale-Unstrut ist www.saale-unstrut-tourismus.de. Hier informiert der ansässige Tourismusverein über die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der gewachsenen Kulturlandschaft und bietet Buchungsmöglichkeiten für Unterkünfte.

Gradierwerk in Bad Kösen (Foto: Transmedial)

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