Roman Franke: „Man muss am Ball bleiben“

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Lintorf (sw). Die letzte Spielminute. Den Ball fest unter Kontrolle läuft er aufs Tor zu. Ein Pass nach rechts, sein Mitspieler fängt den Ball und läuft weiter, die Abwehr vor sich. Noch drei Schritte. Dann der Absprung. Der Ball fliegt Richtung Tor, knapp an der Abwehr vorbei. Die Fingerspitzen des Torwarts streifen den Ball, doch er hat keine Chance. Der Ball geht ins Netz und die Mannschaft und die Zuschauer jubeln. Ein Pfiff, das Spiel ist gewonnen. Die Sieger gratulieren sich und fallen sich in die Arme.

Das war wochenlang nicht mehr möglich. Durch die Corona-Pandemie entfiel das letzte Drittel der Handballsaison und auch das Training fiel aus. „Der Lockdown hat uns alle sehr getroffen, aber wir mussten versuchen damit umzugehen“, erklärt Roman Franke, Trainer der vierten Herrenmannschaft beim TuS 08 Lintorf. Sowohl sportlich, als auch sozial gesehen war das eine „riesen Katastrophe“, fährt er fort.

Alternativen mussten her. Dank Videoanrufen war zumindest der soziale Kontakt weiter da, wenn auch das Training zunächst nicht stattfinden konnte. Erste Lockerungen führten zu der Möglichkeit eines Waldlauftrainings, sonst hieß es weiter abwarten. Sich auf dem Sportplatz zu treffen und später auch in der Halle, wenn auch nur mit zehn Personen, war dann schon ein willkommener Fortschritt.

Seit dieser Woche können wieder 30 Leute zusammen trainieren und durch den vorherigen Ausfall versucht der Verein TUS Lintorf ab nächster Woche bereits in den Sommerferien zumindest mit den älteren Jugendmannschaften schwerpunktmäßig mit Lauftraining im Freien zu starten, denn trotz eigentlichem Saisonende soll die Unterbrechung nicht zu groß werden und nur wenige Teams konnten während Covid-19 durchtrainieren oder sich während der Lockerungen treffen.

Schwierig war dabei vor allem die Organisation. Als Trainer fand Roman Franke die Regelungen oft „schwammig“. „Wir mussten am Ball bleiben und haben versucht, dass wenn es Lockerungen gab, diese sofort ins Trainingsprogramm umzusetzen.“ Dabei mussten sie sich jedoch völlig selber organisieren und ein eigenes Hygienekonzept entwickeln. Die Angst etwas falsch zu machen war ein ständiger Begleiter und hinterließ ein mulmiges Gefühl. „Es war bedrückend und wir hatten ganz schön viel Verantwortung“, so Patrizia Schmidt, Jugendkoordinatorin vom TuS Lintorf.

Sie war froh, als das Training wieder anlief und sie auch die positive Rückmeldung bekommen hat, dass alles gut funktioniert. „Die größte Herausforderung war eine Lösung zu finden für etwas, wo man gar nicht weiß, wie es weitergeht.“

Doch sowohl Roman, als auch Patrizia sind der Meinung, dass sie alles geregelt bekommen, wenn sie flexibel sind. „Am Anfang dachte man noch, man kann das nie schaffen und das würde nie funktionieren, aber es geht doch. Wenn man muss, geht alles“, sagt Patrizia. Ihr ist in der Zeit vor allem klar geworden, dass der Mensch anpassungsfähig ist.

Mittlerweile schleicht sich die Hoffnung auf Normalität in die Gedanken. Mit dem anlaufendem Training soll auch weiter das Wir-Gefühl gestärkt werden, damit die Kinder als Team in die neue Saison starten können, welche nach den Sommerferien beginnen soll.

Anpfiff, das Spiel geht los. Hoffentlich können sich die Mannschaften bald auch wieder als Sieger in den Armen liegen.

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