Restrukturierung des Konzerns Flughafen

Werbung

Düsseldorf. In einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung des Düsseldorfer Flughafens haben die Landeshauptstadt Düsseldorf und die Airport Partners GmbH am Dienstag dem Restrukturierungskonzept der Geschäftsführung für den Flughafenkonzern zugestimmt und sie mit der Umsetzung beauftragt. Beide Eigentümer halten jeweils 50 Prozent der Anteile am größten Flughafen Nordrhein-Westfalens (NRW).

Nachdem der Flughafen das Jahr 2019 mit dem erfolgreichsten Ergebnis seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen hatte, brachte die Corona-Pandemie den weltweiten Luftverkehr in den vergangenen Monaten fast vollständig zum Erliegen. Diese Situation hat zugleich dramatische verkehrliche Auswirkungen auf den Düsseldorfer Flughafen. Für 2020 geht er von maximal 30 Prozent, im kommenden Jahr von rund 50 Prozent des gewohnten Verkehrsaufkommens aus. Eine Rückkehr zum Niveau von 2019 erwartet die Branche erst im Jahr 2025.

Das zurückliegende Corona-Jahr hat den Flughafen Düsseldorf wirtschaftlich wie finanziell schwer getroffen. In den vergangenen Monaten hat der Flughafen daher bereits ein umfangreiches Krisenmanagement eingeführt, um die Gesundheit von Belegschaft und Passagieren zu schützen, Erlöse zu erhalten, Strukturkosten zu sparen und Liquidität zu sichern.

Wesentlich für die Liquiditätssicherung war, dass die Anteilseigner den Jahresüberschuss von 2019 in Höhe von 63 Millionen Euro im Unternehmen beließen und dem Flughafen bereits im April zusätzlich ein nachrangiges Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro zusagten. Auf dieser Grundlage hat der Flughafen zwischenzeitlich einen Kredit über 250 Millionen Euro des Infrastruktur-Corona-Programms des Landes NRW und der NRW-Bank in Anspruch genommen.

Ziel der Restrukturierung ist es nun, den Konzern wieder auf eine nachhaltig wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Diese ermöglicht dem Flughafen, sich spätestens mit Einsetzen der Tilgungsphase des Covid-Kredits im Jahr 2023 frei am Kapitalmarkt zu finanzieren, unabhängig von öffentlichen und Gesellschafter-Zuwendungen zu werden und langfristig Arbeitsplätze zu sichern. Hierfür ist ab dem Jahr 2021 eine jährliche Ergebnisverbesserung in Höhe von etwa 50 Millionen Euro erforderlich. Die Hälfte dieses Betrages steuert die Reduzierung des Personalaufwands bei, die neben den Maßnahmen zur Erlössteigerung und zur Strukturkostensenkung im Zentrum der Restrukturierung steht.

Flughafen-Geschäftsführer Thomas Schnalke: „Um diese historische Krise des Luftverkehrs zu meistern, müssen wir unsere Unternehmensstruktur an die geringeren Verkehrsvolumina der kommenden Jahre anpassen und weiter an Effizienz zulegen.“

Im Flughafenkonzern, das heißt in der Flughafen Düsseldorf GmbH unde der Security-, der Ground-Handling- und der Fracht-Tochter, sind rund 2200 Mitarbeiter beschäftigt. Bereits im Jahresverlauf hat der Flughafen mit einem Einstellungsstopp und dem weitgehenden Verzicht auf die Wiederbesetzung von Stellen einen sozialverträglichen Beitrag zur Senkung der Personalkosten geleistet. Bis Ende Januar 2021 bietet das Unternehmen außerdem ein Freiwilligenprogramm an, an dem bereits rund 200 Mitarbeiter ihr Interesse bekundet haben.

Thomas Schnalke: „Auch die in der Restrukturierung nötigen Stellenstreichungen wollen wir möglichst sozial verträglich gestalten. Allerdings können wir betriebsbedingte Kündigungen als Mittel der letzten Wahl nicht ausschließen.“

So zielt das Restrukturierungskonzept für die Flughafen Düsseldorf Ground Handling GmbH darauf ab, dass das Unternehmen ab 2022 unabhängig von der Konzernmutter kostendeckend wirtschaftet. Die Flughafen Düsseldorf Cargo GmbH erwartet im Nachgang zur Corona-Pandemie eine verzögerte Rückkehr der Langstreckenverbindungen und damit einen nachhaltigen Tonnage-Rückgang. Darauf wird sie in der Restrukturierung mit dem Abbau operativer Stellen reagieren müssen.

Für alle Mitarbeiter im Konzern hat der Flughafen Kurzarbeit vom 1. April bis zum 31. Dezember 2020 beantragt. Betroffen sind sämtliche Teile, die von den Auswirkungen der Corona-Pandemie tangiert werden. Der Flughafen Düsseldorf gewährt allen betroffenen Mitarbeitern einen Zuschuss auf 90 Prozent der durchschnittlichen individuellen Nettobezüge. Über eine Verlängerung der Kurzarbeit ist die Geschäftsführung in Gesprächen mit den zuständigen Betriebsratsgremien.

Werbung