Peter Beyer besucht Caritas-Fachstelle

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Bergisches Land/Mettmann. Die einzige Beratungsstelle im ganzen Bergischen Land für Täterinnen und Täter nach häuslicher Gewalt bekam jetzt Besuch von Peter Beyer (links). Mit großem Interesse ließ der Politiker sich über nachhaltigen Opferschutz der Caritas-Fachstelle für Gewaltprävention ganz anderer Art und die aktuellen Entwicklungen in Kreis, Land und Bund zu diesem Thema, häuslicher Gewalt, auf den Stand bringen. Er gab an, durch einen Fernsehbeitrag, den er von Berlin aus gesehen hatte, über die Arbeit dieser in seinem Wahlkreis einzigartigen Beratungsstelle aufmerksam geworden zu sein.

Bereichsleiter Thomas Rasch (Mitte) und Andreas E. Smolka (rechts), für den Fachdienst verantwortlicher Experte, standen Rede und Antwort. Sie erläuterten Grundidee, Konzept, Täterprogramme und wiesen auf bestehende Notwendigkeiten hin, etwa die bisher nicht hinreichende Unterstützung bei proaktivem Tätigwerden der Berater- und Trainer*innen. „Unsere Mitarbeiter müssen warten, bis jemand seinen Hilfebedarf erkennt oder die Justiz ihn viele Monate nach der Tat ins Täterprogramm schickt, statt – wie anderswo teilweise schon üblich – direkt nach einem Vorfall informiert zu werden“, erläutert Rasch. Da könne der Gesetzgeber Abhilfe schaffen, aber auch regionale Vereinbarungen mit Polizei und Jugendämtern zum Beispiel.

„Zum weit überwiegenden Teil ist häusliche Gewalt männlich“, stellt Sozialarbeiter und Familientherapeut Smolka fest. Doch würden immer wieder auch Täterinnen von der Staatsanwaltschaft mit einer Trainingsauflage versehen, erklärt er auf Nachfrage des Bundespolitikers. Von den bis zu 120 Klienten jährlich, komme etwa die Hälfte mit justizieller Weisung in die Beratungsstelle, die übrigen aus eigenem Antrieb.

Jeder Gewalthandlung liegt eine Entscheidung zugrunde und sie hat mit Kontrolle, Macht und Machtmissbrauch zu tun. Alternative, sozialverträgliche Verhaltensweisen können aber erlernt werden. Täterorientierte Programme, wie die der Caritas-Fachberatung können Auswege aus Spirale der Gewalt eröffnen. Im Programm müssen die Menschen sich damit auseinandersetzen, was sie ihren Partnern angetan haben, Empathie und gewaltfreie Kommunikation sowie gewaltfreie Handlungsalternativen erlernen.

Allein im ersten Corona-Jahr ist die Zahl der angezeigten Fälle von Partnerschaftsgewalt bundesweit um knapp 5 Prozent gestiegen – in 169 Fällen endete diese Gewalt tödlich. Unsere Region bilde da leider keine Ausnahme, legt Beratungsstellenleiter Smolka mit Bedauern dar. „Ja, an die Täter muss man ran und das möglichst frühzeitig, wenn häusliche Gewalt wirklich aufhören soll. Sie können und müssen sich ändern“, erkannte Beyer und sicherte Unterstützung im Rahmen seiner Möglichkeiten zu. Immerhin habe Deutschland schon vor Jahren die Istanbul-Konvention unterzeichnet, die flächendeckend auch die Förderung von Täterarbeitseinrichtungen vorsehe. Abschließend unterstrich Peter Beyer sein Engagement für nachhaltigen Opferschutz bei häuslicher Gewalt durch die Auseinandersetzung mit den Gewaltausübenden.

„Das Angebot hat mich überzeugt. Es ist gut, dass wir so eine Beratungsstelle im Kreis vorhalten“. Dass der Kreis Mettmann mit dem vom Runden Tisch – unter Beteiligung der Caritas – entwickeltem Gewaltschutzkonzept beispielhaft für andere Regionen ist, sei dabei beeindruckend, betonte Beyer. Im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten wurde deutlich, wie wichtig es sei, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, Netzwerke zu knüpfen und Mitstreiter für eine gute Sache zu finden, freuten sich Rasch und Smolka von der Caritas über das Interesse aus Berlin.

Peter Beyer (links), Thomas Rasch, Bereichsleiter Caritas-Mettmann (Mitte); Andreas E. Smolka, Leiter der Caritas-Fachstelle für Gewaltprävention (rechts) (Foto: David Königs)