Ostern feiern in der Krise

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Köln. Mit dem Palmsonntag hat die wichtigste Zeit für alle Christen begonnen: Sie feiern die Kar- und Ostertage. In diesem Jahr ist das Gedenken an Leiden, Tod und Auferstehung Jesu, an die Einsetzung der Eucharistie beim Abendmahl und an die allen verheißene Auferstehung und Erlösung nur unter besonderen Bedingungen möglich.

Nach der Verlängerung der Abwehrmaßnahmen gegen das Coronavirus muss das Erzbistum Köln leider alle Gottesdienste mit Gemeindebeteiligung über Ostern hinaus aussetzen. Dafür hat das Erzbistum, auch für die Kar- und Ostertage, Gottesdienstübertragungen und Live-Streamings im Internet etabliert.

Die Karwoche
Palmsonntag
Die Karwoche – auch „Heilige Woche“ genannt – ist die Woche vor Ostern. Es ist die wichtigste Woche im Kirchenjahr. Die Kirche erinnert in diesen Tagen daran, warum und wie Jesus, der Sohn Gottes, gestorben ist. Die Woche beginnt mit dem Palmsonntag. An diesem letzten Fastensonntag gedenkt die Kirche des Einzugs Jesu in Jerusalem. Dort begrüßt ihn eine jubelnde Menge, die ihn mit Palmzweigen empfängt. Ähnlich wie die Menschen zur Zeit Jesu zieht die Gemeinde auch heute mit gesegneten Palmzweigen durch die Straßen zur heiligen Messe in die Kirche. Statt der Palmzweige nehmen viele Gläubige Buchsbaum-Büschel. Die gesegneten Zweige schmücken später die Kruzifixe im Haus.

Gründonnerstag
Am Gründonnerstag hält Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern. Mit den Worten „dies ist mein Leib, dies ist mein Blut“ teilt er Brot und Wein mit ihnen, verdeutlicht damit seine Lebenshingabe und setzt somit die heilige Eucharistie (griechisch „Danksagung“) ein, in der er durch alle Zeiten bleibend unter den Menschen gegenwärtig sein will. Heute feiern Katholiken dieses Ereignis in jeder Heiligen Messe. Während der Eucharistie wandelt der Priester Brot und Wein in Jesu Leib und Blut. In Erinnerung an den Gründonnerstag wird die gewandelte Hostie, das Allerheiligste, an diesem Tag besonders verehrt.

Die Eucharistie ist daher immer eine Gemeinschaftsfeier. In diesem Jahr dürfen die Priester entgegen der üblichen Praxis aufgrund eines römischen Dekrets ausnahmsweise die Heilige Messe ohne Volk feiern. Die optionale Fußwaschung an Gründonnerstag entfällt; sie ist ein sprechendes Zeichen für die Dienstbereitschaft Jesu und wird im Johannesevangelium berichtet. Das Allerheiligste, die gewandelte Hostie, wird ohne die sonst übliche Prozession in den Tabernakel gebracht, wo es verbleiben soll.

Karfreitag
Karfreitag ist der Todestag Jesu Christi. Der Sohn Gottes wird gegeißelt und muss sein Kreuz selbst auf den Hügel Golgotha tragen. Dort wird er ans Kreuz genagelt – die Todesstrafe der Römer für Aufrührer. Er stirbt um die neunte Stunde (nach antiker Stundenzählung 15 Uhr) und wird in einer Grabhöhle beigesetzt. Am Karfreitag kennt die Kirche keinen Gottesdienst im herkömmlichen Sinn. Der Altar ist abgeräumt, die Glocken schweigen, der Tabernakel ist leer – die Kirche gedenkt des Leidens und Sterbens Jesu. In vielen Gemeinden findet vormittags eine Kreuzwegandacht statt, traditionell um 15 Uhr der Karfreitags-Wortgottesdienst. Dabei werden in den Zehn Großen Fürbitten die vielfältigen Anliegen der Menschheit vor Gott getragen.

Karsamstag
Am Karsamstag, dem Tag der Grabesruhe, behält nach biblischem Zeugnis eine Wache das Grab im Auge, da die Pharisäer befürchten, einer der Jünger könnte den Leichnam stehlen und behaupten, Jesus sei wie vorhergesagt auferstanden (Matthäusevangelium 27,62-66). In Süddeutschland wird der Brauch des Heiligen Grabes seit der Barockzeit gepflegt. Gläubige beten am Grab, entzünden Kerzen und erwarten die Auferstehung.

Ostersonntag
Am Ostersonntag feiern die Christen die Auferstehung Jesu. Die Bibel berichtet: Am Morgen kommen einige Frauen, Anhängerinnen Jesu, zum Grab. Plötzlich erscheint ihnen ein Engel, der die frohe Botschaft verkündet: Jesus ist auferstanden. Das Grab ist leer. Der Ostertag beginnt bereits in der Dunkelheit mit der Feier der Osternacht. Am Osterfeuer wird die neue Osterkerze entzündet, deren Licht im Kirchenraum verteilt wird. Das Loblied der Osterkerze („Exsultet“) eröffnet den festlichen Gottesdienst. In dieser „Nacht der Nächte“ segnet der Priester das neue Tauf- und Weihwasser, mit dem er – oft auch direkt in der Osternacht – tauft. Am Ostersonntag endet auch die Fastenzeit.

Glockenläuten
Da sich die Menschen nicht mehr zu Gottesdiensten versammeln können, läuten in allen Kirchen des Erzbistums Köln täglich um 19:30 Uhr die Glocken als Zeichen der Verbundenheit im Gebet. Von Gründonnerstag bis Karsamstag wird das Läuten ausgesetzt und ab Ostersonntag wieder täglich fortgeführt, solange die öffentlichen Gottesdienste ausgesetzt bleiben.

Das Geläut lädt die Menschen dort, wo sie gerade sind, zum persönlichen Gebet ein und soll Zeichen einer bleibenden Gebetsgemeinschaft sein. Wir beten für alle, die von der Pandemie betroffen sind, und verbinden damit unseren Dank, unsere Bitte und Ermutigung für alle Menschen, die in dieser außergewöhnlichen Situation einen wichtigen Dienst für andere leisten.

Zusätzlich ist vereinbart, dass in Nordrhein-Westfalen am Ostersonntag von 9.30 bis 9.45 Uhr in den katholischen und evangelischen Kirchen festlich mit möglichst allen Glocken geläutet wird.

In Deutschland soll am Ostersonntag um 12 Uhr ebenfalls festlich in den katholischen und evangelischen Kirchen geläutet werden.

Das ökumenische Geläut soll gerade in Zeiten der Corona-Krise die österliche Freude über den Sieg des Lebens zum Ausdruck bringen.

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