Nordmanntanne hat Fichte verdrängt

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Münster. Weihnachtsbäume kamen lange Zeit aus den heimischen Wäldern. Sie waren ein Nebenprodukt der Forstwirtschaft: Das Schlagen der Bäume diente der Waldpflege, indem schwächere Bäume aus den dichten Jungbeständen entnommen wurden. Die verbleibenden Bäume bekamen so mehr Licht und Platz und konnten sich besser entwickeln.

Das hat sich heute verändert. 90 Prozent aller Weihnachtsbäume stammen mittlerweile aus eigens dafür angelegten Baumkulturen. Direkt aus dem Wald geschlagene Exemplare aus Durchforstung gibt es kaum noch. „Das hängt vor allem mit der Baumauswahl der Kunden zusammen. Nordmanntannen sind heute mit großem Abstand am beliebtesten, auch weil sie eine besonders schöne Wuchsform ausbilden und wenig nadeln. Diese Baumart stammt aber aus dem Kaukasus und kommt in unseren Wäldern ursprünglich nicht vor“, erklärt Edgar Rüther, Leiter des Regionalforstamtes Soest-Sauerland in Rüthen.

2013 war die Nordmanntanne nach Auskunft der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) mit mehr als 71 Prozent der mit Abstand beliebteste Weihnachtsbaum. Dann folgten die Blaufichte mit 15 Prozent, sonstige Fichten mit sieben Prozent und die Edeltanne mit drei Prozent. Nur noch fünf Prozent der verkauften Bäume wurden über die Waldbewirtschaftung direkt aus dem Wald entnommen. Das sind dann meistens Fichten, Weißtannen und Kiefern.

Nordrhein-Westfalen hat mit 18.000 Hektar bundesweit die größte Anbaufläche von Weihnachtsbäumen, gefolgt von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. „Jeder dritte Weihnachtsbaum stammt aus dem Sauerland, damit ist die Region Südwestfalen das wichtigste Anbaugebiet in Europa“, sagt Stefan Befeld, Sprecher von Wald und Holz NRW.

Wer einen guten Weihnachtsbaum sucht, sollte diesen am besten ortsnah kaufen. Dann ist die Chance am größten auch einen frischen Baum zu bekommen. „Viele Bäume, die im Baumarkt erhältlich sind, werden wochenlang im Kühlhaus gelagert. Sie verlieren dann im Haus sehr schnell ihre Nadeln und wirken nicht mehr frisch“, erläutert Edgar Rüther.

Etwa 24,5 Millionen Weihnachtsbäume stehen nach Erhebungen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald jedes Jahr in deutschen Wohnzimmern. Zum Fest bevorzugen die meisten Menschen einen tiefgrünen, möglichst geraden Baum mit dichtem Astkranz. Weil die Nachfrage danach hoch ist, sind immer mehr eigens angelegte Monokulturen entstanden, auf denen genau solche Bäume produziert werden. Das Problem: Oft werden hier massiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt sowie Dünger und Wachstumshormone. „Bei Weihnachtsbäumen gibt es heute eine der Landwirtschaft ähnelnde industrielle Produktion mit Konkurrenz aus Polen und Dänemark. Der Preisdruck ist enorm und auch deshalb rechnet es sich für heimische Förster nicht mehr, Weihnachtsbäume aus Durchforstung anzubieten“, erklärt Rüther.

Werden in Monokulturen Pflanzenschutzmittel, zum Beispiel gegen Insekten oder Mäuse eingesetzt, schadet man auch den Nützlingen. Auch Gräser, Kräuter und Stauden, die normalerweise unter einem Nadelbaum wachsen, werden mit Herbiziden weggespritzt. Nachhaltig wirtschaftende Betriebe setzen dafür spezielle Sensen und Mäher oder besondere Schafrassen wie die englischen Shropshire-Schafe ein. Das ist jedoch aufwendig und kostet Geld, das nicht jeder Kunde bereit ist zu zahlen.

Edgar Rüther empfiehlt dennoch, Bäume aus Weihnachtsbaumplantagen zu kaufen, die möglichst naturverträglich arbeiten oder sogar mit einem Bio-Siegel zertifiziert sind. Die Umweltorganisation Robin Wood aktualisiert jedes Jahr kurz vor dem ersten Advent ein Verzeichnis, das deutschlandweit Anbieter listet, deren Bäume mit Bio-, Bioland-, Naturland-, Demeter- oder FSC-Siegel ausgezeichnet.

Seit 2015 gibt es zudem eine PEFC-Zertifizierung für nachhaltig bewirtschaftete Weihnachtsbaumkulturen. Diese sind unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkte nachhaltig erzeugt worden. Die deutschlandweit ersten drei Zertifikate wurden im Juni 2015 in Schmallenberg-Oberrarbach an drei Weihnachtsbaumproduzenten aus dem Sauerland übergeben.

Geerntet werden Weihnachtsbäume übrigens im Alter von acht bis zwölf Jahren. Am gefragtesten sind Exemplare mit einer Höhe von 1,80 bis 2,50 Meter, passend zur Höhe des eigenen Wohnzimmers. „Für einen guten Baum muss man auch 2016 mit einem Preis von etwa 20 Euro pro Meter rechnen“, schätzt Edgar Rüther. Heimische Blaufichten seien dagegen bereits für 13 bis 14 Euro pro Meter zu bekommen, Fichten noch etwas günstiger.

Die Fichte bleibt aber für manchen nach wie vor das Synonym für den Weihnachtsbaum. Auch Edgar Rüther wirbt für das heimische Gehölz. „Die Nordmanntanne riecht nicht und bietet somit weniger sinnliches Erlebnis. Das ist bei einer Fichte ganz anders, wenn sich schon nach kurzer Zeit die Tannine entfalten und der ganze Raum nach Nadelbaum duftet.“ In  diesem Jahr gibt es noch einen besonderen Grund sich für die Fichte als Weihnachtsbaum zu entscheiden: Sie ist der Baum des Jahres 2017.

Foto: Wald und Holz NRW

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