Neue Biografie wichtige Aufarbeitung von NS-Unrecht

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Hösel. Fritz Bracht war der wichtigste Nazi-Würdenträger während des Zweiten Weltkriegs in Oberschlesien. Als Gauleiter (Leiter der regionalen NSDAP) und Oberpräsident (Leiter der Zivilverwaltung) gehörte er zu einer Elitegruppe von Funktonären, denen Adolf Hitler die Verwaltung des besetzten Polens anvertraute. Obwohl er ein entscheidender Teil der NS-Vernichtungsmaschinerie war, wurde über ihn bislang wenig geschrieben. Nun ist vom polnischen Historiker Mirosław Węcki (Kattowitz) ein Buch herausgebracht worden, „ein erster Versuch eine vollständigere Biografie des Mannes vorzulegen, der für die gesamte Politik des Dritten Reiches gegenüber Oberschlesien verantwortlich war”. Das Buch ist im Haus Oberschlesien erhältlich.

Dieses Buch wurde vom Kulturreferenten für Oberschlesien bei der Stiftung Haus Oberschlesien, David Skrabania, übersetzt und ist bei der Stiftung käuflich zu erwerben. Für Skrabania ist das Buch ein wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung von NS-Unrecht in Oberschlesien. „Im Gegensatz zu Nazi-Größen wie Hans Frank, Arthur Greiser, Albert Forster oder Erich Koch ist Bracht im Schrifttum bislang zu wenig thematisiert. Dabei ist es der Mann, der an vielen NS-Verbrechen Mitschuld trägt und für die Umsetzung der NS-Volkstumspolitik in diesem Bereich verantwortlich ist“, sagt der promovierte Historiker und Slawist. Daher könne man schon sagen, dass es sich hier um ein außerordentlich wichtiges Werk handelt.

„Wir sind natürlich stolz, dass dieser wichtige Beitrag von unserem Kulturreferenten übersetzt wurde. Das ist schon eine besondere Leistung“, zeigt sich Stiftungsvorstandschef Sebastian Wladarz zufrieden.

Übrigens gibt es bei Fritz Bracht auch Bezug zu Nordrhein-Westfalen. Bracht stammte aus Heiden im Kreis Lippe, lebte nach dem Ersten Weltkrieg zunächst in der Nähe von Hagen und zog im Dezember 1920 nach Plettenberg im Kreis Altena.

Dort trat er 1927 der NSDAP bei und war von1928 bis 1931 Ortsgruppenleiter der NSDAP in Plettenberg. 1935 wurde er stellvertretender Gauleiter in Schlesien. Der damalige Gauleiter Josef Wagner war zuvor seit 1928 Gauleiter des Gaus Westfalen, ab 1931 von Westfalen-Süd mit Sitz in Bochum, übernahm dann den Gau Schlesien.

1940 wurde der Gau Schlesien in zwei Gaue geteilt, Gau Oberschlesien und Gau Niederschlesien. Bracht übernahm den Gau Oberschlesien.

Der Autor des Buches Mirosław Węcki ist promovierter Historiker und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität Kattowitz sowie am Institut für Nationales Gedenken in Kattowitz. Im Juni 2021 wird Węcki sein Buch in der Reihe „Podium Silesia“ im Haus Oberschlesien vorstellen.

Wer das Buch vorher lesen möchte, der kann es bei der Stiftung Haus Oberschlesien für 78 Euro kaufen, Telefon 02102/9650 oder regent@oslm.de.

David Skrabania im Fachinformationszentrum der Stiftung Haus Oberschlesien (Foto: privat)

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