Nachtarbeit für den Lintorfer in Essen

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Essen. Das Wochenende war fast schon zu Ende, als es vergangenen Sonntag hieß: „In der Nacht zu Montag bringt die Firma Amprion einen neuen Transformator in die Umspannanlage Essen Eiberg. Wer fährt hin und berichtet darüber?“ Jetzt also nicht nur Wochenendarbeit, sondern auch noch Nachtarbeit, denn der geplante Transport sollte zwischen 0:30 und 4:30 Uhr morgens stattfinden. Auf die Frage, was daran so aufregend und berichtenswert sei, wurde kurz und knapp erklärt, dass dafür schließlich extra eine neue Weiche gelegt werden müsse, damit die Bahn direkt auf das Gelände der Umspannanlage fahren könne.

Die treue Freizeitreporterin begab sich also mitten in der Nacht an die Stadtgrenze zwischen Essen und Bochum. Direkt neben der Umspannanlage herrschte auf den Gleisen der S-Bahnstrecke schon geschäftiges Treiben. Etwa zehn Gleisbauer und Streckenposten waren dabei, die Komplettsperrung der Strecke und die Weichenstellung vorzubereiten. Neben dem Gleisbett wurde eine riesige Lichtgiraffe aufgestellt, die den Arbeitsbereich ausleuchten sollte. Empfänger für das akkustische Signal des automatischen Warnsystems wurden aufgestellt und das Schienenumsetzgerät bereitgestellt. Kurz nach Mitternacht konnte das Gleis Richtung Essen, dann wie geplant gesperrt werden und während die ersten Hakenschrauben gelöst wurden, zeichnete der Leiter der Arbeitsgruppe mit einem Stück Kreide die Stelle an, an der die beiden Streckenschienen mit dem Flexschneider durchtrennt werden mussten.

2016_Trafotransport3Das Funken stiebende Durchtrennen dauerte nur wenige Minuten und der auf einem Arbeitsgleis wartende Bagger konnte die erste Streckenschiene in Zusammenarbeit mit dem etwa 40 Meter entfernt aufgestellten Schienenumsetzgerät zum Anschlussgleis der Umspannanlage herüberziehen. Ungläubiges Staunen bei den angereisten Journalisten: „Hätte mir jemand vorher gesagt, dass eine Stahlschiene über diese recht kurze Distanz einfach mal vier Meter zur Seiten gezogen und gekrümmt werden kann, ich hätte es nicht geglaubt.“ Es war aber so und während Strecken- und Anlageschiene durch Flachlaschen verbunden wurden, flogen schon wieder die Funken an der zweiten Streckenschiene. Auch diese wurde anschließend scheinbar mühelos vom Bagger zum Nebengleis herübergezogen und mit Laschen am Gegenstück des Anlagengleises befestigt. Alle benutzten Werkzeuge wurden aus dem Weg geräumt und nun hieß es warten.

2016_Trafotransport5Der 380/110kV-Netzkuppeltransformator von der Firma Smit war aus Nimwegen gekommen und hatte während der Gleisarbeiten in Bochum-Ehrenfeld gewartet. Der Koloss mit einem Eigengewicht von 248 Tonnen, einer Länge von 10,6 Metern und einer Höhe von 4,63 Metern lagerte auf einem Waggon von 43 Metern Länge und einem Eigengewicht von 145 Tonnen. Maximal 20 Stundenkilometer schnell fuhr der Zug und benötigte für die sechs Kilometer von Ehrenfeld bis nach Eiberg gut 20 Minuten. Die Schienen hielten sein Gewicht und innerhalb weniger Minuten hatte er die Baustelle passiert, um in die Umspannanlage einzufahren. Genau zu diesem Zeitpunkt begannen die Arbeiter schon wieder damit, die Streckenschienen, die ja am Anlagengleis angekoppelt waren, zu lösen und wieder auf das Streckengleis zurückzulegen. Die gleichen Umbauarbeiten werden heute Nacht noch einmal vorgenommen, um den leeren Transportzug nach Bochum-Ehrenfeld zurückfahren zu können.

Heute Morgen, kurz nach vier Uhr waren alle Arbeiten, von den Pendlern unbemerkt erledigt worden und der S-Bahnbetrieb konnte wie gewohnt um 4:30 Uhr wieder aufgenommen werden.

 

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