Mini-Herzschrittmacher verringert Operationsrisiken

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Köln. Abhängig vom Alter und der körperlichen Fitness schlägt das Herz eines gesunden Menschen 50 bis 100 Mal in der Minute. Lediglich während des Schlafes oder bei trainierten Sportlern ist ein niedrigerer Herzschlag alltäglich. Sinkt die Frequenz jedoch ohne erkennbaren Grund unter 50 Schläge pro Minute, muss eine ausführliche Anamnese erfolgen, da eine Verlangsamung der Herzfrequenz, auch Bradykardie genannt, gefährliche Symptome verursachen kann. Bei jedem Herzschlag zieht sich das Herz zusammen und pumpt so Blut in den Kreislauf des Körpers, um die Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff zu versorgen. Schlägt das Herz zu langsam, nimmt die Blut- und Sauerstoffversorgung ab. Müdigkeit, Schwindel, chronischer Energiemangel, Atemnot bis hin zur Ohnmacht können die Folgen sein. Aus diesem Grund muss bei anhaltenden Symptomen eine individuelle Behandlung erfolgen.

„Bei vielen Patienten normalisiert sich der Herzrhythmus mithilfe von Medikamenten. Lindert eine medikamentöse Therapie jedoch die Beschwerden nicht, muss in vielen Fällen die Implantation eines Herzschrittmachers erfolgen. Einen besonderen medizinischen Fortschritt gab es mit der Entwicklung des kleinsten Herzschrittmachers der Welt, den wir als eine der ersten Kliniken in Deutschland bei entsprechender Indikation einsetzen“, erklärt Privat-Dozent Wolfgang Fehske, Chefarzt der Kardiologie und Inneren Medizin im St. Vinzenz-Hospital in Köln.

Im rechten Vorhof des Herzens befindet sich mit dem Sinusknoten der natürliche Schrittmacher des Herzens, der mithilfe von elektrischen Impulsen das Reizleitungssystem und somit die Pumpbewegung steuert. „Liegt jedoch eine Weiterleitungsstörung der elektrischen Impulse vom Vorhof in die Herzkammer, ein sogenannter AV-Block, vor, sinkt die Herzfrequenz. Zu den weiteren Auslösern einer Bradykardie zählt das Sinusknotensyndrom, bei dem der kranke Sinusknoten nicht ausreichend oft einen elektrischen Impuls abgibt“, erläutert Fehske. Neben einem angeborenen Herzfehler und der Einnahme bestimmter Medikamente zählt ein fortgeschrittenes Alter zu den Risikofaktoren, die eine Entstehung von Herzrhythmusstörungen begünstigen. Auch Patienten, die sich bereits einem Eingriff am Herzen unterziehen mussten, oder Menschen mit durch einen Herzinfarkt verursachten Narben leiden unter einem erhöhten Risiko, an Bradykardie zu erkranken.

Schlägt das eigene Herz zu langsam oder setzt der Herzschlag zwischenzeitlich sogar aus, hilft ein Herzschrittmacher. Dieser normalisiert die Herzfrequenz, indem er einen elektrischen Impuls auslöst, der dafür sorgt, dass das Herz sich zusammenzieht. Herkömmliche Herzschrittmacher setzen sich aus einem Impulsgenerator inklusive Batterie sowie Stimulationselektroden zusammen. Zur Implantation unterhalb des Schlüsselbeins muss eine Operation erfolgen. Wie bei jedem operativen Eingriff besteht demzufolge das Risiko einer Wundheilungsstörung. Aber auch Gefäßverschlüsse oder Entzündungen können auftreten.

Foto: St. Vinzenz-Hospital

Der kleinste Herzschrittmacher der Welt hingegen ist 2,6 Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von 6,7 Millimeter, wiegt 1,75 Gramm und weist keine Elektroden mehr auf. Anstelle einer Operation erfolgt die Implantation über einen Katheter, der über die Leistenvene eingeführt wird. „Über das Kathetersystem transportiere ich die Kardiokapsel in die rechte Herzkammer. Nachdem der kleine Impulsgeber im Herzen angekommen ist, wird die Kapsel aus dem Katheter freigesetzt und kleine Fixierungsanker aus Nitinol gehen auf, die sich in der Muskelinnenwand der Herzkammer verankern“, bemerkt Fehske und ergänzt: „Wichtig zu erwähnen ist, dass dieses per Katheter implantierte Herzschrittmachersystem bisher nur für die Patienten eine Alternative darstellt, die eine Ein-Kammer-Stimulation benötigen. Aber es ist als erster Schritt einer Entwicklung zu sehen, die diese Technologie später auch für komplexere Herzschrittmachersysteme wie Zwei- oder Drei-Kammer-Systeme zugänglich machen wird.“

Die Batterie des Schrittmachers hält für etwa zehn Jahre. Doch auch nach Ablauf dieser Zeit kann die Kardiokapsel aufgrund ihrer kleinen Maße im Herzen verbleiben. Besteht eine weitere Indikation für den Einsatz eines Herzschrittmachers, kann die Implantation einer weiteren Kapsel erfolgen. „Da jedoch nicht unendlich viele Kardiokapseln im Herzen Platz haben, sollte hierbei das Alter der Patienten, aber auch die Häufigkeit der Stimulation Berücksichtigung finden“, so Fehske abschließend.

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Fotos: St. Vinzenz-Hospital

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