Michel Sanya: Busse halten nur an Haltestellen

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Lintorf. „Als ich 1998 nach Deutschland kam, habe ich drei Dinge gelernt“, erzählt der Kölner Sänger und Musiker Michel Sanya den Besuchern des Friedensgottesdienstes in der evangelischen Kirche: Bürokratie, Ordnung und Pünktlichkeit.

Wegen des schlechten Wetters fand der ökumenische Friedensgottesdienst in der evangelischen Kirche statt und nicht im Freien auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Pfarrer Frank Wächtershäuser und Pastoralrefent Martin Kalff leiteten den Gottesdienst in der nicht gänzlich gefüllten Kirche.

Busse halten nur an Haltestellen und nicht auf Winken, musste der aus der Millionenstadt Goma im Osten des Kongos (ehemals Zaire) stammende Künstler Sanya lernen. Und die Busse fahren auf die Sekunde genau nach Fahrplan, auch wenn Sanya nur noch zehn Meter von der Haltestelle entfernt ist.

Er singt seine Lieder in seiner Muttersprache und fordert die Lintorfer auf, mit zu singen. „Eine fremde Sprache klingt immer ungewöhnlich“, erzählt Michel Sanya. Wenn er bei Besuchen seiner Familie im Kongo nach Deutschland telefoniere, würde seine Mutter immer fragen, was für eine komische Sprache er da spreche. Die Kirchenbesucher bemühen sich redlich, den Refrain zu singen. Die Musik jedenfalls begeistert sie.

Der katholische Pastoralreferent Martin Kalff erläutert, dass zum Friedensgottesdienst 2017 die beiden Gemeinden eine Brücke der Versöhnung gebaut hätten. 2018 habe man die beiden Teile der Brücke der Solidarität zusammengeführt. Heute ginge man über diese Brücke auf die andere Seite und lerne fremde Menschen, eine fremde Kultur kennen.

Michel Sanya erzählte vom Leben der Kinder in seiner Heimatstadt. Eine Kindheit, die vielfach von Armut, Krieg und Gewalt geprägt sei.

Goma liegt in Kivu, einer Region an der Grenze zu Ruanda. Seit vielen Jahren gibt es hier immer wieder Konflikte zwischen den Ethnien und militärische Auseinandersetzungen. Am meisten leiden darunter die Kinder. Viele haben ihre Familie verloren, müssen auf der Straße leben und können keine Schule besuchen. Die einzige Möglichkeit zu überleben besteht darin, zu betteln, zu stehlen oder für wenig Geld Schwerstarbeiten zu verrichten. Ihre Not wird von vielen ausgenutzt. Im schlimmsten Fall werden sie als Kindersoldaten angeworben. Dort werden sie so lange physisch und psychisch misshandelt, bis sie keine Skrupel mehr kennen.

Mit seinem Verein Sun for Children kümmert er sich um das Schicksal dieser Kinder.

Die Kollekte des Gottesdienstes ist für die Kongoprojekte der beiden Gemeinden gedacht.

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