Maigedicht von Horst Brink

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Mit dem langen Wochenende hat der Wonnemonat Mai begonnen. Zwar war das Wetter an den beiden ersten Tagen eher Aprilwetter, als einem Wonnemonat würdig. Das Gedicht von Horst Brink „Im Mai – ja im Mai blüht der Flieder“ lässt den lieblichen Mai vor den Augen des Leser erstehen. Doch so schnell wie die Natur im Mai erblüht, so schnell wird auch der Mensch älter. „Die Jugend sie kehrt niemals wieder“ heißt es am Ende des Gedichts, anders als der Mai. Der nächste Wonnemonat kommt spätestens im kommenden Jahr wieder.

Im Mai – ja im Mai blüht der Flieder
Es rufet der Kuckuck im tiefdüstern Hain,
die Lerche hebt freudig die Schwingen
und Schwälbchen und Nachtigall stellen sich ein,
den lieblichen Mai zu besingen.
Ein Meisenpaar zwitschert in seliger Ruh
und ordnet noch schnell sein Gefieder,
es rufet vom blühenden Kirschbaum mir zu:
„Im Mai – ja im Mai blüht der Flieder.“

Und Blumen und Sträucher und Felder und Wald
Ein Sprießen – ein Grünen – ein Blühen,
das Herz zum Zerspringen bei Jung und bei Alt,
woll’n all‘ in den Mai’en mit ziehen.
Es weitet die Brust sich vom Kind bis zum Greis
und ringsum ertönen die Lieder,
durch uralte Bäume lispelt’s ganz leis:
„Im Mai – ja im Mai blüht der Flieder.“

Genieße, genieß‘ drum den lieblichen Mai,
genieße was Gott dir gegeben,
die Lenze des Lebens bald sind sie vorbei
und dann stehst du einsam im Leben.
Schon nahet das Alter, du sehnst dich nach Ruh,
die Jugend sie kehrt niemals wieder,
die Nachtigall ruft aus der Ferne dir zu:
„Im Mai – ja im Mai blüht der Flieder.“

Horst Brink

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