Mahn- und Gedenkstätte erinnert an Fred Stein

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Düsseldorf. Mit ihrer Sonderausstellung „Fred Stein. Auf dem Weg. Dresden Paris New York“ erinnert die Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, an den Fotografen und greift auch aus historischer Perspektive ein aktuelles Thema auf: Exil und Flucht. Die Ausstellung wird vom 17. Januar bis zum 28. Mai zu sehen sein. Eröffnet wird sie am Montag, 16. Januar, durch Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke. Die Berliner Kuratorin Theresia Ziehe wird in das fotografische Werk Fred Steins einführen. Extra aus den USA reist dazu Peter Stein, Sohn des Fotografen, an und wird im Gespräch über seinen Vater berichten. Die Eröffnung findet um 19 Uhr statt und ist öffentlich. Der Eintritt ist frei.

Getarnt als Hochzeitsreise floh der 24-jährige Jurist Alfred (Fred) Stein (1909–1967) mit seiner Frau Liselotte im Oktober 1933 aus der gemeinsamen Heimatstadt Dresden nach Paris. Stein war als Sozialist und Jude in den Blick der Gestapo geraten. Mit im Gepäck der Steins: eine gebrauchte Leica, die das Paar sich zur Hochzeit geschenkt hatte.

Als Jurist für deutsches Recht konnte Stein in Paris seinen Lebensunterhalt nicht bestreiten. Notgedrungen machte er aus seinem Hobby einen neuen Beruf: Gemeinsam mit seiner Frau eröffnete er ein Fotostudio. Dabei offenbarte sich sein herausragendes Talent für die Porträt- und spontane Straßenfotografie. Bereits 1935 konnte er seine Bilder erstmals ausstellen – gemeinsam mit namhaften Kollegen wie André Kertész, Ilse Bing, Man Ray und Dora Maar.

Doch wie viele andere deutsche Emigranten waren auch die Steins in Paris nach dem Kriegsausbruch 1939 nicht sicher. Mithilfe des amerikanischen Journalisten Varian Fry und seines Netzwerks konnten Fred und Lilo Stein mit ihrer kleinen Tochter Marion im Mai 1941 schließlich in die USA reisen. In New York gelang es Fred Stein, sich – trotz aller Schwierigkeiten des Neuanfangs in einem fremden Land – erneut als Meister des Porträts und der Straßenfotografie zu etablieren.

2013 widmete das Jüdische Museum Berlin Fred Stein eine Werkschau unter dem Titel „Im Augenblick“. Die Mahn- und Gedenkstätte präsentiert diese Ausstellung nun erstmals in Düsseldorf und nimmt in einer Erweiterung den Menschen Fred Stein, seine Familie und deren Weg ins Exil in den Blick. „Flucht, Exil, Heimatverlust und Neubeginn in der Fremde sind Themen, die uns aus vielen Düsseldorfer Biografien während des Nationalsozialismus sehr vertraut sind. Insofern hat diese Sonderausstellung einen sehr starken Bezug zu unserer Arbeit“, erläutert Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte und gemeinsam mit Andrea Kramp Kuratorin der Düsseldorfer Ausstellung. „Gleichzeitig ist die Thematik der Ausstellung heute aktueller denn je.“ Gezeigt werden 72 Bilder und Personenporträts sowie drei biografische Informationstafeln.

Exilerfahrung steht als großer Leitbegriff über dem vielfältigen Rahmenprogramm zur Ausstellung. Lesungen aus Lion Feuchtwangers „Exil“ (2. Februar, 19 Uhr) oder Inge Deutschkrons „Emigranto“ (5. April, 19 Uhr) schauen ernst oder humoristisch auf die Schwierigkeiten des Neuanfangs in einem fremden Land. Ein Vortrag über Musik im Exil (23. Mai, 19 Uhr) fragt danach, welche Spuren Flucht und Exil in den Werken von Komponisten hinterlassen haben, die nach 1933 fliehen mussten. Öffentliche Kuratorenführungen runden das Programm ab (16. März, 25. April, 17. Mai, jeweils 19 Uhr). „Fred Stein. Auf dem Weg“ ist zudem der Beitrag der Mahn- und Gedenkstätte zum Duesseldorf Photo Weekend 2017 (3.–5. Februar).

Die Kuratorinnen Hildegard Jakobs, stellvertretende Leiterin der Mahn- und Gedenkstätte, und Andrea Kramp (Foto: Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert)

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