Literarischer Abend in der Friedenskirche

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Ratingen-Ost. Mit einem literarischen, biografischen und musikalischen Abend erinnern Annelie Kraft und Fritz Keuenhoff am Samstag, 5. November, 18 Uhr, in der Friedenskirche Ratingen-Ost, Hegelstraße 16, an die Künstlerin Mascha Kaléko. Ein Abend voller Poesie, begleitet durch biografische Ausführungen, Musik und Gesang. Der Eintritt ist frei. Um eine Spende für die Kultus- und Kulturarbeit in der Friedenskirche wird erbeten.

Der pulsierende Treffpunkt der literarischen und künstlerischen Szene des Berlins der Zwanziger- und Dreißigerjahre war das Romanische Café gegenüber der Gedächtniskirche. Dort verkehrten Maler, Schauspieler und Schriftsteller wie Morgenstern, Kästner und Ringelnatz.

Eine zierliche Person wird bald im Mittelpunkt der literarischen Szene stehen. Mascha Kaléko heißt die junge, temperamentvolle Dame. Ihr persönlicher Charme bezaubert und ihre heiteren, ironisch-melancholischen Verse treffen den Ton der Zeit. Sie handeln von Dingen, die alle erleben: von Liebe, Abschied und Einsamkeit, von finanziellen Nöten, von  Sehnsucht und von Traurigkeit. Es entstehen Zeitgedichte und Großstadtlyrik. Die Leser und Zuhörer sind begeistert von dieser Mischung aus Ironie, Witz und nüchterner Wehmut. Die Beliebtheit von Mascha Kalékos Gedichten hält bis heute an.

Aber dann kommen die Nationalsozialisten an die Macht, und ihre literarische Karriere wird jäh gestoppt. Gezwungenermaßen emigriert sie mit ihrem geliebtem Mann und kleinem Sohn in die USA. Sie erlebt das, was von Kindheit an ihr Leben geprägt hat.

1907 in Galizien geboren, musste sie bereits mit sieben Jahren wegen drohender Pogrome mit ihren Eltern die Flucht nach Deutschland antreten. Ein Auf-der-Flucht-Sein von Kindheit an, das sich dann wie ein roter Faden durch ihr Leben zieht. Immer wiederkehrende Schicksalsschläge sind geprägt von Verlusterleben, Abschied, Schmerz und Traurigkeit.

„Hätte ich ein Heim gehabt oder gar eine Heimat, ich fremder Niemand aus Niemandsland“, fasste sie es in Worte.

Abgesehen von den paar „leuchtenden“ Jahren in Berlin setzt sich ihr Gefühl, eigentlich nicht dazu zu gehören, heimatlos zu sein, immer wieder fort. Maschas Leben geizte mit Glück.

Schicksalsschläge wie die Flucht aus der Heimat – Emigration – Isolation – Tod ihres geliebten Sohnes mit 31 Jahren – Verlust des Ehemannes und ihre eigene tödliche Krankheit fordern Maschas Kämpfernatur immer wieder heraus, ihr Leben zu bewältigen.

Ein Vertrauen ins Leben ist schwer unter diesen Umständen. Jedoch gibt es wohl ein Urvertrauen in eine höhere Macht: „Ich spür, dass eine Hand mich hält und führt“ heißt es in „Kurzes Gebet“.

Mascha Kaléko verstirbt 1975 in der Schweiz. Ihr ganzes Leben sehnte sie sich nach Zugehörigkeit. Ihre Kraftquelle hat sie in ihrem Innern gefunden: „Zur Heimat erkor ich mir die Liebe.“

Gedächtniskirche in Berlin (Foto: Pixabay)