Lintorf das Dorf der Drachen?

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Lintorf. Drachendorf und Ort der Bienenzucht. Wer denkt da schon an Lintorf und Ratingen? Professor Paul Derks, einer der besten Kenner der Namensdeutung von Städten am Niederrhein und im Ruhrgebiet. Am Dienstagabend erklärte er rund 40 Zuhörern beim Vortragsabend des Vereins Lintorfer Heimatfreunde die Bedeutung der Ratinger Ortsnamen. Die Deutungen überraschten die Zuhörer dann zum Teil doch sehr.

Walburger Dörrenberg-Fleermann begrüßte Gäste und den Professor im Namen des Heimatvereins im Sitzungssaal des alten Lintorfer Rathauses. Dann nahm Derks sie erst einmal mit in eine Germanistikstunde. Lintorf und Ratingen liegen in der Grenzregion des Altmitteldeutschen, dem nördlichsten hochdeutschen Dialekt, und den niederdeutschen Dialekten Altfränkisch (Niederrhein) und Altsächsisch (Westfalen). Die Grenze der Dialekte verläuft an der Benrather und der Uerdinger Linie. Der Unterschied: Die hochdeutschen Dialekte haben im Mittelalter eine Lautverschiebung mitgemacht, die niederdeutschen Dialekte nicht. 

Ratingen biete mehrere Deutungsmöglichkeiten, erklärte Derks. Das „ingi“ könne auf einen Personenamen hindeuten. Als Beispiel nannte er die Karolinger, also die Leute des Karl. Es könnte sich aber auch auf Sachen beziehen. Die Vorsilbe Rat bedeute jedenfalls nicht Rodung. Das zeigten die zahlreichen Ortsnamen Rath, die es in der Umgebung gäbe.

„1276 wird Ratingen in einer Kölner Urkunde Razzinga genannt“, erklärte Derks. In Köln habe man aber einen hochdeutschen Dialekt gesprochen. Das niederdeutsche t sei in der Kölner Urkunde zum hochdeutschen z geworden. Das Althochdeutsche Raza und das Altniederdeutsche Rata bedeute Bienenwabe. „Ratingen ist also der Ort mit Bienenzucht“, so Derks Schlussfolgerung.

Auch Lintorf ließe sich vielfach deuten. Die Schreibung Lindthorpa könne als das Lindendorf aufgelöst werden. Es könnte aber auch die gleiche Bedeutung haben wie Linnep. „Lin“ heiße soviel wie schwach, „orpa“ käme von „ape“ und bedeutet Bach. Lintorf also wäre nichts anderes als das Dorf am langsam fließenden Bach.

„Die dritte Deutung ist etwas gewagt, deshalb ziehe ich sie auch gleich wieder zurück“, sagte der Professor. Dann erklärte er, dass der Lindwurm sich aus dem Wort Lind entwickelt habe. Lintorf also das Drachendorf wäre.

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