Lesart: Ist das Helfen ein Auslaufmodell?

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Essen. Engagierte Zeitgenossen werden als Gutmenschen diffamiert, und ein Satz wie „Wir schaffen das“ wird zum Inbegriff gefühlsduseliger Naivität. Das Klima in Deutschland hat sich verändert, dabei wurde im Herbst 2015 eben hier etwas geboren, was wohl als Willkommenskultur in die Geschichtsbücher eingehen wird. Zwei aktuelle Sachbücher widmen sich diesem Thema und werden unter dem Titel „Bitte, Danke, gern geschehen: Vom Helfen und helfen lassen“ in der nächsten Ausgabe der Sendung „Lesart“ vom Deutschlandradio Kultur am Dienstag, 14. Februar, ab 20 Uhr im Café Central International des Essener Grillo-Theaters vorgestellt und diskutiert. Die Moderation der Sendung, an der auch WAZ-Kulturchef Jens Dirksen teilnehmen und die am 18. Februar ab 11:05 Uhr ausgestrahlt wird, übernimmt Christian Rabhansl vom Deutschlandradio Kultur. Der Eintritt kostet acht Euro.

In seinem Buch „Helfen. Warum wir für andere da sind“ spürt der Journalist und Historiker Tillmann Bendikowski diesem erstaunlichen Phänomen in Geschichte und Gegenwart nach. Anhand von Gesprächen mit Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen mit dem Helfen gemacht haben, und mit Blick auf jene, die zu Ikonen der Barmherzigkeit geworden sind, zeigt er, wie Hilfsbereitschaft Menschen und Gesellschaften verändert und dass diese ein Gradmesser für die Menschlichkeit einer Gemeinschaft sein kann. Bendikowski, geb. 1965, promovierte 1999 bei Prof. Hans Mommsen an der Ruhr-Universität Bochum. Er verfasste u. a. „Der Tag, an dem Deutschland entstand. Geschichte der Varusschlacht“ (2008), „Friedrich der Große“ (2011), „Sommer 1914“ (2014) und „Der deutsche Glaubenskrieg“ (2016).

Von seinen eigenen, höchst erstaunlichen Erfahrungen als Helfer berichtet Holger Michel, der Inhaber einer Kommunikationsagentur, in seinem Buch „Wir machen das. Mein Jahr als Freiwilliger in einer Unterkunft für Geflüchtete“. Eigentlich wollte er im September 2015 nur ein paar alte T-Shirts abgeben. Doch was er in der eilig improvisierten Flüchtlingsunterkunft in dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf in Berlin erlebte, berührte ihn so sehr, dass er bis zum Abend blieb und mithalf. Am nächsten Tag kam er wieder. Und am übernächsten auch. In den folgenden Monaten baute Michel mit Hunderten Freiwilligen die komplette Infrastruktur der Notunterkunft mit auf und wurde später Sprecher der Freiwilligen. In seinem Buch schildert Michel auf sachlich-humorvolle Art die Erlebnisse eines Jahres. Er beschreibt das Versagen von Behörden, die Bedrohung durch Fremdenfeinde sowie die Herausforderungen und Möglichkeiten, die die Freiwilligen ergreifen, um die Integration fernab der staatlichen Integrationskurse zu ermöglichen. Und das Entstehen eines völlig neuen Wir-Gefühls.

Kartenvorverkauf: TUP-Ticketcenter, Telefon 0201/81 22-200

Foto: C. Bertelsmann Verlag

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