Konjunktur im Handwerk stürzt ab

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Düsseldorf. Das Handwerk im Kammerbezirk Düsseldorf erlebt derzeit durch die Coronakrise einen Konjunkturabsturz von noch nie dagewesenem Ausmaß. „Das ist eine Vollbremsung ohne Bremsweg“, kommentierte Kammerpräsident Andreas Ehlert die  Situation. Die Umfrage erfolgte Mitte März, als die massiven Eingriffe der Politik in das wirtschaftliche und öffentliche Leben gerade einsetzten. Das Geschäftsklima brach von 129 auf nur noch 102 Punkte ein – und das, obwohl erst gut 35 Prozent der Handwerksbetriebe angaben, bereits von der Coronakrise betroffen zu sein.

„Das Ausmaß übertrifft die Folgen der Finanzmarktkrise von 2008 deutlich. Mittlerweile hat die Krise nahezu jeden Betrieb erfasst“, so Ehlert.

Hier hat sich das Geschäftsklima nach Auskunft der Kammer nahezu halbiert: In den Gesundheitsberufen um 48 Prozentpunkte auf jetzt 84 Prozent; die Dienstleister stürzten gar um 58 Prozentpunkte auf jetzt 74 Prozent ab. Gerade Friseure und Kosmetiker sind oft als Soloselbstständige tätig und verfügen nur über geringes Eigenkapital, so die Kammer.

„Hohe Fixkosten halten die Betriebe ohne Einnahmen also nur sehr kurze Zeit durch“, so Ehlert. Hinzu komme, dass sich der Konjunkturschwung im NRW-Handwerk ausweislich IT NRW bereits im vierten Quartal des Vorjahres auf nur noch rund ein Prozent nominales Wachstum deutlich verlangsamt habe.
Auch die Unternehmen im Kfz-Gewerbe (Branchenklimaindex: 77 Prozent/minus 28 Prozentpunkte) und die Lebensmittel produzierenden Handwerke (90 Prozent/minus 19 Prozentpunkte) verzeichnen massive Einbrüche. Noch am stärksten widersteht derzeit das Bauhauptgewerbe (Branchenklima 122 Prozent/minus 6 Prozentpunkte gegenüber Herbstumfrage) der Krise.

In regionaler Betrachtung zeigt sich vorerst das Handwerk im östlichen Kammergebiet – im Bergischen Städtedreieck – noch am Robustesten (Konjunkturindex: 108 Prozent); hier fiel der Geschäftsklimawert im Vergleich zur Herbstumfrage „nur“ um 13 Prozentpunkte. Am Linken Niederrhein (99; minus 32), im Westlichen Ruhrgebiet (101; minus 29) und im Großraum Düsseldorf (108; minus 26) fiel der Einbruch prägnanter aus; am stärksten im Kreisdreieck Rhein-Kreis Neuss, Viersen und Stadt Krefeld, wo das Konjunkturklima um 35 Punkte auf 67 Prozent abschmierte (Stadt Düsseldorf: minus 31 Prozentpunkte, Geschäftsklima aktuell 98 Prozent; Kreis Mettmann: 109, minus 20).

Ehlert, der zugleich auch Präsident des Dachverbands HANDWERK.NRW ist, zog gleichzeitig eine positive Bilanz zum bisherigen politischen Krisenmanagement. „Was derzeit geschieht, ist absolut notwendig. Die Politik hat in Bund und Land konsequent und besonnen gehandelt. Ich habe großes Vertrauen, dass verantwortlich und mit Augenmaß entschieden wird.“

Besonders wichtig für das Handwerk sei, dass die angekündigten staatlichen Soforthilfen von Bund und Land für kleine und mittlere Unternehmen jetzt auf Antrag innerhalb weniger Tage bei den betroffenen Betrieben ankommen. „Derzeit kann niemand sagen, wie lange die Einschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens noch aufrechterhalten bleiben müssen. Jeder muss jetzt konsequent seine sozialen Kontakte auf das Nötigste beschränken, und wir müssen die wirtschaftlichen Kosten dieser Maßnahmen möglichst früh abfedern, damit unsere mittelständischen Strukturen keinen dauerhaften Schaden nehmen“, appellierte Ehlert.

Er appellierte insbesondere an die öffentliche Hand, sofort konjunkturbelebende Investitionen vorzubereiten und dafür vergaberechtliche oder haushaltsrechtliche Vorgaben auf den Prüfstand zu stellen: „Vielleicht lernen wir durch die Krise auch, welche Regulierungen verzichtbar sind und was wir auf Dauer tun können, um unseren Wirtschaftsstandort zu stärken und robuster zu machen.“ Wichtig sei außerdem, dass die Öffentliche Hand alle Möglichkeiten nutzt, Rechnungen jetzt so zügig wie möglich zu begleichen.

www.hwk-duesseldorf.de

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