KGL: Flucht damals und heute

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Lintorf. Wann flohen die Menschen? Wieso mussten sie fliehen? Wohin flohen sie? Das waren Fragen, die im Geschichtskurs in der Oberstufe des Kopernikus-Gymnasiums Lintorf (KGL) erörtert wurden. Zusammen mit dem Museumspädagogen des Oberschlesischen Landesmuseums, Bartek Ondera, diskutierten die Schüler die Situation der Vertriebenen und Flüchtlinge zum und nach Ende des Zweiten Weltkriegs.

Das Höseler Museum will sein pädagogisches Angebot ausweiten und mehr in den Schulen präsent sein. „Wir bieten an, zu den Themen, die ja Pflichtsoff sind, entsprechende Vorträge oder die Unterrichtsgestaltung vorzubereiten. Sicherlich lassen sich durch uns auch Zeitzeugengespräche arrangieren“, sagt der gebürtige Ratiborer Ondera.

So wurden im Geschichtskurs am Kopernikus-Gymnasium anhand zweier Bespiele die Schicksale von Menschen aus dem ehemaligen deutschen Osten vorgestellt, die bei der Vertreibung ihre Heimat in Oberschlesien verlassen mussten. „Wir versuchen das möglichst plastisch darzustellen, damit sich die Schüler in die Situation damals hineinversetzen können. Es gilt vor allem, die Hintergründe zu beleuchten, die zu Flucht und Vertreibung geführt haben“, erklärt der Museumspädagoge.

Es werde deutlich, dass Flucht und Vertreibung ein immer wieder aufkommendes Phänomen seien, man nehme nur die Fluchtbewegungen während des Jugoslawienkrieges oder des Bürgerkrieges in Syrien. „Es ist dann doch interessant, zu vergleichen und den Bogen von damals in die heutige Zeit zu spannen“, so Ondera.

Welche Erfahrungen waren gleich? Wie sieht es aus mit Eingliederung und Integration? Was sind die Unterschiede zu damals? Alles spannende Fragen, die für Schüler interessanter sein können, als man denkt.

Und so konnten in der Geschichtsstunde einige Schüler auch von Schicksalen in ihren Familien berichten. Das sei besonders spannend, wenn erst einmal das Eis geschmolzen sei, meint Ondera. So konnte auch Lukas Horn von seiner Familie berichten. Seine Eltern waren zwar nicht von Vertreibung betroffen, sind aber aus Danzig ausgesiedelt.

„Aussiedler, das sind diejenigen, die ab den 1960er Jahren infolge des Kriegsfolgeschicksals als Deutsche aus den ehemaligen Ostgebieten oder anderen deutschen Siedlungsgebieten ausgesiedelt sind. Eine weitere spannende Personengruppe. Insofern gibt es viel Potential für unser Museum, mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen“, sagt Sebastian Wladarz, Stiftungsvorstandsvorsitzender und selber Aussiedler aus Oberschlesien.

Lukas Horn (links) und Bartek Ondera in der Geschichtsstunde am Kopernikus-Gymnasium Lintorf. (Foto: Stiftung Haus Oberschlesien)

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